Hey Marc Brandenburg, was bleibt von unserer Gegenwart?
Shownotes
Wir blicken zusammen mit Marc Brandenburg auf sein Aufwachsen in den USA und das Berlin der 80er Jahre, durchzechte Nächte in der Großstadt und seine Anfänge als Künstler. Es geht um: Marcs Weg zur Zeichnung, um seinen Lieblingsbleistift und das beste Papier, Modeentwürfe für Vivienne Westwood, seine erste und letzte Modenschau im Dschungel - und nicht zuletzt gemeinsam mit der Kuratorin Ilka Voermann um Marc Brandenburgs aktuelle Ausstellung „20th Century Debris“ in der Berlinischen Galerie.
Mehr zur Ausstellung: https://berlinischegalerie.de/ausstellungen/aktuell/marc-brandenburg-20th-century-debris/
Tickets für "Brandenboogie" #1 :https://berlinischegalerie.de/veranstaltung/brandenboogie-1
Tickets für "Brandenboogie" #2 :https://berlinischegalerie.de/veranstaltung/brandenboogie-2
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Produktion: Studio Soma Cover: © Marc Brandenburg
Transkript anzeigen
00:00:01: So in den Achtzigern, diese Punk-Postpunk-Zeit.
00:00:05: Man hatte halt kein Geld und man hat sich dann Sachen gemacht.
00:00:08: Ich wollte so Dinge festhalten, die man gedankenverloren ganz kurz wahrnimmt und dann sind sie wieder weg.
00:00:16: Herzlich willkommen zu „Kunst in Berlin“, dem Podcast der Berlinischen Galerie!
00:00:21: Mein Name ist Thomas Köhler, ich bin Direktor des Museums.
00:00:24: In diesem Podcast treffe ich Künstler*innen und Menschen, die unsere Gegenwart prägen.
00:00:29: Vor zwei Wochen haben wir die Ausstellung Marc Brandenburg „20th Debris“ eröffnet und es war wild.
00:00:35: Heute spreche ich mit Ilka Voermann, die die Ausstellung kuratiert hat – und mit Marc Brandenburg selbst, einem der – und das ist nicht übertrieben – international wichtigsten Zeichnern der Gegenwart!
00:00:45: Gemeinsam wollen wir uns seinem Werk annähern und der Frage nachgehen: Was bleibt von unserer Gegenwart?
00:00:51: Und warum wirkt sie derzeit so
00:00:53: düster?
00:00:58: Lieber Marc, erstmal vielen Dank für deine großartige Ausstellung.
00:01:02: Wir sind immer noch ganz enthusiastisch.
00:01:04: Ja, ich danke euch!
00:01:05: Du findest deine Motive auf Streifzügen durch die Stadt.
00:01:08: Du lebst in Berlin aber auch in Barcelona.
00:01:11: Brauchst du die Großstadt für deine Kunst?
00:01:13: Ich würde sagen: Ja.
00:01:14: Also eigentlich ist das, was mich interessiert.
00:01:16: Ich bin halt komplett ein Großstadtkind und das ist die ganz einfache Antwort: Ich brauch das.
00:01:23: Du bist ja in Berlin geboren und hast aber dann auch einige Jahre in den USA verbracht.
00:01:27: In welcher Stadt habt ihr denn da gelebt?
00:01:29: Naja wir sind halt viel umgezogen, weil mein Stiefvater, mit dem ich aufgewachsen bin, also Mutter und Stiefvater, in der Armee war und die werden ja immer woanders hin stationiert.
00:01:40: Wir waren halt in Detroit und in Texas hauptsächlich und sind dann da eben mehrmals umgezogen.
00:01:47: Was hast du da für Erinnerungen an diese Städte?
00:01:50: Wobei in Texas, das war dann schon eher ländlich.
00:01:53: Das war in Fort Hood die größte amerikanische Militärbase und da hatten wir eben auch ein Haus mit einem Creek hinterm Haus.
00:02:06: Ich hab halt, kenne auch so dieses Landleben ...
00:02:09: Das ist total pretty auf dem Land!
00:02:13: Ja, ich glaube jetzt würde ich da wahrscheinlich umkommen irgendwie.
00:02:16: Aber damals als Kind war es okay.
00:02:18: Aber Detroit, wiederum gilt ja so echt als Ende.
00:02:21: Ja, aber ich war in den frühen Siebzigern in Detroit.
00:02:25: Also das heißt Detroit war da eben halt auch noch nicht so runtergerockt wie das... Ich meine, wobei jetzt ist es ja, glaube ich, wieder auf aufsteigendem Ast.
00:02:35: Also
00:02:36: apropos abgerockt: Sag uns doch mal was
00:02:39: wie waren deine ersten Jahre in Berlin dann, als du wieder zurückgekommen bist?
00:02:43: Naja ich bin dann mit meiner Geschiedene Mutter, die Berlinerin ist, siebenundsiebzig nach Berlin zurückgekommen.
00:02:50: Und das war dann ... Ich bin am ersten April neunzehnt sieben und siebzig hier angekommen.
00:02:56: Na ja, und hab mich eigentlich relativ schnell dann also da war ich elf.
00:03:00: Mit dreizehn war ich eigentlich schon so langsam
00:03:04: erwachsen.
00:03:06: Ja, naja!
00:03:07: Das war tatsächlich so.
00:03:08: Wir hatten natürlich auch unsere Probleme.
00:03:11: Und also ich und meine Mutter, dann bin ich halt immer nachts so ausgebüxt.
00:03:17: Und bin dann ausgegangen ...
00:03:20: Wo habt ihr da gewohnt in der Zeit?
00:03:22: In Charlottenburg!
00:03:23: Ich bin dann halt immer mit dem Nachtbus, bin ich dann halt irgendwie immer in Richtung ... Damals war ja alles noch viel mehr in Charlotttenburg und Wilmersdorf.
00:03:33: Dann bin ich so ins Exzess und in den Dschungel gefahren Und eben ins Metropol, da gab es ja auch damals noch das Metropole Café.
00:03:42: Das waren so meine Orte und ich hab dann praktisch mein gesamtes Leben so umgedreht ... Also nach der Schule bin ich dann natürlich ... Du bist zur
00:03:51: Schule gegangen?
00:03:51: Ich
00:03:51: bin natürlich zur Schule gegangen aber danach habe ich mich hingelegt und bin dann nachts aufgestanden.
00:03:59: Bin dann ausgegangen und wieder in die Schule gegangen.
00:04:04: Also es ist nicht empfehlenswert, aber ... Und
00:04:07: wenn man junges kann, man das machen.
00:04:08: Ja und das war halt zu meinen Leben.
00:04:13: Ich war natürlich eigentlich immer der Jüngste irgendwie egal wo ich war.
00:04:20: Hast dich ja schnell an Berlin dann gewöhnt offenbar?
00:04:23: Wie war's mit der Sprache?
00:04:25: Na ja, als Kind das lernt man natürlich immer alles ganz schnell.
00:04:28: Also wir haben tatsächlich nur Englisch gesprochen.
00:04:31: also auch mit meiner deutschen Mutter habe ich halt nur englisch gesprochen aber dass... Mit elf ist es halt wie so ein Wunder das so innerhalb von.
00:04:39: dann lernt mal eine Sprache innerhalb von zwei Monaten glaube ich und natürlich gab es ja so Brocken von Deutsch Das war ja irgendwie auch da in meinem Leben durch Verwandte usw.
00:04:52: Dann haben wir vor Jahren das erste Mal über ein Ausstellungsprojekt gesprochen.
00:04:55: Das dauerte dann bis wir es jetzt umgesetzt haben, lag an unterschiedlichen Rahmenbedingungen zum Beispiel auch in der Pandemie und da hat Ilka Förmann als Leiterin der Grafischen Sammlung bei uns begonnen und mit ihr habe ich recht am Anfang, als sie gerade angefangen hat, bei uns über so einen Ausstellensprojekt gesprochen und du hast wirklich super positiv reagiert.
00:05:18: Und ja, mich wird interessieren was du als erstes gemacht hast um das Werk von Marken bisschen näher kennenzulernen.
00:05:25: Ja es ist total witzig dass du das sagst dass wir so früh gesprochen haben weil ich habe das jetzt auch noch mal erinnert.
00:05:30: also es ist ja jetzt meine dritte Ausstellung in der berlinischen Galerie aber tatsächlich war das die erste von der Ich wusste dass ich sie machen würde.
00:05:38: Das ist total verrückt irgendwie gewesen Dass diese Ausstellung so eine lange Vorlaufzeit hat.
00:05:44: Ja, dreißig Jahre Endlich
00:05:48: Fast.
00:05:49: Das war total lustig, weil wir hatten uns kennengelernt und dann war das immer noch so weit weg.
00:05:54: Und tatsächlich die Annäherung ans Werk kam eigentlich über Marc selber.
00:05:59: Dass wir uns einfach getroffen haben, dass wir gesprochen haben, dich kennen zu lernen, war irgendwie das ganze Zentrale für mich.
00:06:09: Was halt wahnsinnig witzig war ... dass ich immer so am Anfang gedacht hab, wann fragt er mich denn jetzt endlich mal?
00:06:16: Weil nicht in sein Atelier kommen kann.
00:06:19: Weil das tatsächlich immer der Studio-Besuch oder Atelierbesuch ... Der steht ja oft am Anfang auch und das passierte dann nicht.
00:06:26: Dann habe ich dich irgendwann gefragt und gesagt, ich kann ja zu dir ins Atelierkommen und du hast gesagt, ihr habt gar keinen Atelier.
00:06:33: Über solche Dinge habe ich mir natürlich die Dinge angeguckt.
00:06:36: Hier haben wir Kataloge angegockte Texte gelesen
00:06:39: usw.,
00:06:39: aber im Austausch mit dir ist eigentlich habe ich viel mehr dann noch verstanden, was sicher auch daran liegt, dass deine Kunst so ganz stark mit deinem Leben und deiner Person foam
00:06:49: ist.
00:06:49: Genau!
00:06:50: Das ist halt immer ein Problem für viele... bis die das so begreifen, dass ich eben halt nicht ganz klassisch ein Atelier habe.
00:07:00: Wo man dann eben hinkommen kann ... Das war ja auch mit Lynette damals auf der Pfeil.
00:07:05: Die wollten ja eben auch mit diesen Förderern der ...
00:07:10: Freunde von Bush Risinger.
00:07:12: Alle wollen in mein Atelier gehen und das geht bei
00:07:15: dir.
00:07:16: Aber was natürlich auch ganz interessant ist, dadurch hast du eine gewisse Freiheit.
00:07:21: Du kannst überall arbeiten?
00:07:24: Was natürlich auch an deinem Hauptmedium liegt, sagen wir mal so der Bleistiftzeichnung.
00:07:29: Genau.
00:07:29: Die du ja überall
00:07:31: mit drin nehmen kannst?
00:07:32: Ja und ich meine auch als das losging in den Neunzigern ... Das war halt immer alles so räumlich begrenzt.
00:07:39: Deswegen konnte ich das einfach jahrelang gut und immer noch so praktizieren, dass sich in ganz kleinen Orten dann so große Ausstellungen konzipieren kann.
00:07:50: Und es klappt ganz gut.
00:07:53: Für mich ist halt immer wichtig, dass ich so meine Freiheit habe und das man eben nicht überall so eingebunden ist.
00:08:01: Und es hat natürlich auch mit Kosten zu tun, sodass man das alles klein hält, weil man dadurch dann einfach eine Freiheit hat die Kunst zu machen ... Dass man eben nichts anfängt darüber nachzudenken was funktioniert?
00:08:16: Was kann ich dem Markt geben?
00:08:18: Das finde ich halt immer ... Da halte ich mich von fern.
00:08:23: Und man ist natürlich dazu geneigt, weil es gibt eben bestimmte Motive, die halt immer gut funktionieren und so.
00:08:29: Dass man sich da von komplett frei macht und auch immer irgendwie sperrig bleibt, weißt
00:08:37: du?
00:08:37: Interessant ist in dem Zusammenhang ja wirklich ... Das Medium, an dem du arbeitest.
00:08:42: Bleistift auf Papier ganz klassisch und ich find's auch wahnsinnig interessant.
00:08:46: Wir haben ja schon ein paar Führungen gehabt in der Ausstellung und die Besucherinnen sind total erstaunt, dass das wirklich Bleistifts auf Papiere ist weil du mittlerweile eine Technik entwickelt hast wo diese Zeichnung sehr weich ist.
00:08:59: also man denkt es gar nicht unbedingt im ersten Augen.
00:09:02: Ja so ne bisschen die Übergänge sind sehr Weich.
00:09:05: Ich würde das eher als zu kalt beschreiben und so eine Kälte aus.
00:09:10: Und so eine Distanziertheit auch?
00:09:14: Ich mein eher den Duktus mit Weich, dass die Übergänge weiss sind ... Aber
00:09:18: du weißt was ich meine!
00:09:20: Also ich
00:09:20: wollte immer weg von diesem Strich, also das, was man ja im ersten Raum halt noch viel mehr hat, dass man eben zu dem Strich sieht.
00:09:29: Die Zeichnungen sind dann teilweise nicht bis zum Rand ausgezeichnet, sondern mitten drin hört es dann auf Und das hat halt so ein bisschen was Romantisches auch, wie man das nennen will.
00:09:43: Davon bin ich immer mehr ... Ich wollte immer mehr, dass das kaltes dokumentarische ist und ohne Gefühle.
00:09:50: Genau!
00:09:51: Also der Strich wird verwischt, wenn man so will?
00:09:56: Auch dieses dunklen?
00:09:57: Nee, aber
00:09:57: er ist nicht verwiszt, sondern die Striche sind nahe gesetzt... So nah beinahe,
00:10:00: ja genau.
00:10:02: ...und oft gehe ich dann da immer wieder rüber bis man das als Fläche wahrnimmt.
00:10:07: Wie nördig bist du denn, was deine Werkzeuge anbelangt?
00:10:10: Hast du so eine ganz akribisch zusammengestellte Kollektion von Bleistiften?
00:10:14: Nee.
00:10:15: Also ich benutze meistens Farberkastell und lustigerweise ist das dann.
00:10:20: irgendwann war auch Graffarber-Kastell ein Sammler von mir.
00:10:24: Das ist halt leider verstorben aber... Und dann haben die tatsächlich auch nachgefragt ob sie mir eben... dieses Werkzeug dann geben können.
00:10:34: Das war ganz lustig, weil die haben das dann wieder zurückbekommen als verarbeitet.
00:10:43: Nee aber ich benutze tatsächlich meistens greife nach Faber-Kastell einfach aus Gewohnheit und es sind dann immer so HB, Zwei-H und Fünf B. Das sind meine Standardwerkzeuge, die ich benutße.
00:10:57: Und beim Papier bist du da?
00:10:59: Ja, also beim Papier ist das natürlich ganz ganz wichtig und da habe ich auch immer totale Panik.
00:11:05: Weil Zeichenpapier wird auch immer schwieriger.
00:11:09: Früher hab' ich halt Karson-Papier benutzt, das heißt so dieses bräunliche auch und jetzt benutzig ausschließlich Fabriano-Papiere und dieses kalte weiße Fabrianopapier was natürlich auch noch im Schwarzlicht leuchten muss Das sind natürlich auch nicht immer gegeben, dass das so gleich ist bei den Papiersorten.
00:11:30: Genau und dann kaufe ich immer... Es gibt eben ein ganz bestimmtes, das kauf' ich halt egal wo ich bin, kauf', ich das immer auf wenn ich da was von sehe weil ich immer totale Panik habe.
00:11:42: es müsste eigentlich bis zu meinem Lebensende noch reichen.
00:11:44: das was sich jetzt schon so angestaut hat mal gucken.
00:11:49: Aber stimmt, das ist tatsächlich ein Fall.
00:11:52: Das darf man nicht unterschätzen.
00:11:53: mit dem Papier?
00:11:54: Ja, es ist absolut wichtig wie man ... Wie diese Struktur
00:11:59: ist... Die Oberfläche!
00:12:01: Diese Oberflächen, das is so wie so'n Teil von mir.
00:12:03: Ich merke das sofort, ob ich damit arbeiten kann.
00:12:07: Das wird dann wirklich zu einem selbst auch irgendwie.
00:12:10: Das ist so verrückt aber es ist so ...
00:12:13: Du hast jetzt grade gesagt dass es so diese Kälte, die dir auch ganz wichtig ist.
00:12:18: Auch durch dieses kalte Papier aber auch durch diese sehr nah an der Vorlage zeichnen.
00:12:24: Vielleicht kannst du noch mal ein bisschen was sagen zu dieser Vorlage?
00:12:27: Da haben wir mich ja noch gar nicht drüber gesprochen das alle deine Zeichnung auf Fotografien basieren.
00:12:34: also ich finde das immer ganz wichtig auch zu betonen nichts was du zeichnest ist erfunden das hast du dir ja nicht ausgedacht.
00:12:45: Das heißt, um das noch mal den Zuhörer in Klatsmann.
00:12:49: Du fotografierst oder du findest Fotos vor und die zeichnest du dann im Prinzip ab, wenn man so will?
00:12:55: Oder du nimmst ja auch manchmal aus einem Foto nur ein Motiv raus.
00:12:59: Das gibt's ja auch, manchmal.
00:13:01: Dann zeichnet es dir auch manchmal nur eine Person wie
00:13:03: z.B.,
00:13:04: die Obdachlosen sind oft isoliert oder ... Die Antifarbank, das sind Motive, die du sozusagen rausgenommen hast aus nem größeren Kontext.
00:13:13: Aber vielleicht ja zu diesen Fotografien, also einfach zu diesem Prozess.
00:13:17: Du machst Fotos und machst ja wahnsinnig viele Fotos auch immer?
00:13:21: Genau!
00:13:21: Also es war als ich angefangen habe da war das natürlich so ein Mix aus Sachen die man aus Magazinen nimmt.
00:13:28: Das war früher sogar in dieser ersten Serie.
00:13:32: Da war das eben halt auch dann so gab's bestimmte Bilder So Modefotografie Einfach Modewerbung wurde dann genommen.
00:13:40: Pornographie Zigarettenwerbung, so aus den Siebzigern, die so völlig absurd war.
00:13:46: Also wie zum Beispiel eine Zeichnung in der Ausstellung zeigt halt ne nackte Frau von hinten, die durch so ein Waldstück läuft und das war ja ne Zigarrettenwerbung.
00:13:58: In den
00:13:59: Siebenzigern?
00:14:00: Völlig in den Siebeziganen also sowas.
00:14:03: Und das hab ich dann eben kombiniert mit Fotos, die ich selber geschossen habe bei sich Mitbewohnern, die irgendwie auf dem Bett sitzen und sich unterhalten.
00:14:15: Und so kam das zu Stande.
00:14:18: diese erste Serie, die ja noch nicht mal als Serie konzipiert war, sondern da habe ich einfach gemerkt, dass es mein Medium mit dem ich so arbeiten möchte und mal gucken wo das hinführt.
00:14:31: So ging das los.
00:14:33: Anfangs war das natürlich auch mit dem selber fotografieren ... eine ganz bewusste Handlung auch.
00:14:39: Deswegen ärgere mich manchmal, weil so vieles eben nicht dokumentiert wurde früher, also auch im Nachtleben.
00:14:45: Da war ja immer so fotografieren und totales No-No.
00:14:49: Darum war dieses Fotografieren halt auch so eine ganz gewusste handlung und man musste einen Fotoapparat dabei haben.
00:14:56: Und das hat sich natürlich alles extrem verändert dadurch dass jetzt inzwischen jeder, der ein Smartphone hat, ebenso fotografiert.
00:15:09: Das ist halt so Fluch und Segen zugleich, ne?
00:15:12: Naja für mich ist es natürlich schon ein Segen auch.
00:15:15: Weil jetzt kam ja auch dazu eben wie bei euch zum ersten Mal eigentlich in dieser Ausstellung auch diese Videolubes Und ich finde die funktionieren total gut Auch in Verbindung mit den Zeichnungen.
00:15:30: Und irgendwie macht das auch was mit der Zeichnung, die man dann anguckt weil ich glaube Die bringt man dann irgendwie im Kopf auch in Bewegung.
00:15:37: Man hat dann auf einmal so eine Idee davon, wie das bewegte Bild davon zu
00:15:42: wirken wurde... Ja genau!
00:15:42: Was sozusagen der Ursprung ist von dem was du dann zeigst?
00:15:45: Und es gab irgendwann habe ich gemerkt, dass gibt's bestimmte Motive die würde man gerne in Bewegungen sehen.
00:15:53: Also wie zum Beispiel dieser Clown den ich dann... Das war ja einfach ne Person, die verfolgt habe auf der Straße Und dann habe ich ihm angefangen, ihn zu filmen und natürlich so... Fotos sind halt toll, aber wenn du das so in Bewegung siehst hat es noch mal eine ganz andere Wirkung auch.
00:16:11: Genau und wir haben dann ja auch in der Ausstellung diese Videos die an eingefärbt sind, dass die in diesem UV-Lichtraum, in dem die präsentiert werden gemeinsam mit den Zeichnungen, dass sie sozusagen den gleichen Färbung haben und wirklich aussehen als würden diese Zeichnung zum Leben erwecken.
00:16:29: Und man bekommt bei diesen Videos, die du jetzt zum ersten Mal gemacht
00:16:35: hast ... Hast du in der Art?
00:16:36: Ich bin auch sehr froh, weil das war natürlich ... hatte ich ja alles nur im Kopf.
00:16:41: So diese ganzen Ideen und man weiß ja immer nicht was dann wie das tatsächlich wirkt also ob das überhaupt so wirkt, wie man sich dazu im Kopf vorstellt.
00:16:51: Und ich war jetzt vor ein paar Tagen aus des ersten Mal ohne jemand in diesem mittleren Raum und hab da einfach mal eine Dreiviertelstunde gesessen.
00:17:02: Das hat mich beeindruckt!
00:17:05: Also so selber.
00:17:07: Nein, das ist jetzt auch gar nicht ... Nee ich glaube es ist ganz wichtig und das passiert auch nicht so oft dass man wenn man irgendwas macht also es gibt's auch bei Zeichnungen wo ich dann so selber beeindruckt bin Wenn man das Gefühl hat, es hat jemand anders gemacht.
00:17:23: Dann weiß man immer ... Das ist
00:17:24: ein toller Moment!
00:17:25: Ja und das passiert
00:17:27: nicht so oft?
00:17:28: Beim Kuratieren ist das natürlich auch immer so ein toler Moment, wenn Dinge, die man sich über Monate, Wochen,
00:17:33: Jahre
00:17:34: überlegt hat, wenn sie dann auf einmal echt werden.
00:17:37: Und man sieht, dass das toll funktioniert.
00:17:39: Die gesamte Ausstellung, ich wollte natürlich auch, komplett absetzt von der letzten großen Ausstellung, die ich in Berlin hatte.
00:17:49: Und dass das eben was völlig anderes ist so also da gibt es ja kaum Überschneidung mit ein paar Werke.
00:17:57: irgendwie waren auch in einer anderen Ausstellung.
00:17:58: aber ansonsten sind das eben alles komplett andere Arbeiten.
00:18:04: und diese ganz alten Zeichnungen also so Die im neunziger Jahre zeichnung die wurden eigentlich noch nie in so einem musialen Kontext in berlin gezeigt Und das freut mich natürlich.
00:18:15: Ich hatte natürlich auch immer so ein bisschen Angst, weil wir früher haben die Galerien dann oft die Arbeiten ungerahmt verkauft.
00:18:26: Naja und ich bin natürlich froh dass das jetzt alles wirklich toll geworden ist.
00:18:31: aber ich hatte dann immer so die Angst, dass es nach Trödelmarkt aussieht wenn dann so hunderttausend verschiedene Ramungen und so... Aber ich finde das ist halt alles sehr elegant geworden.
00:18:43: In der Vorbereitung der Ausstellung haben sich manche Deiner Sammlerinnen an uns gewendet und die Arbeiten, die sie hatten sind teilweise auch in die Ausstellung reingekommen.
00:18:53: Daher meine Frage hast du irgendwie did you keep track?
00:18:56: Ich mein über die ganzen Arbeiten die Du gemacht hast.
00:18:59: kannst du das noch nachvollziehen?
00:19:00: oder gibt es auch immer wieder Überraschungen wenn Du was vorbereitest so nach dem Motto oh Mann die Zeichnung aus .
00:19:07: Es gibt tatsächlich ganz viele Arbeiten, die ich komplett vergessen habe.
00:19:11: Weil wir die eben auch damals nicht so richtig ... Ich meine das ist natürlich Sache der Galerie aber es wurde einfach nicht so dokumentiert wie man das jetzt heute machen würde.
00:19:23: Heute wird ja jedes Werk also wie zum Beispiel diese Dangling Conversation Dann eben halt auch schon dieses Objekthafte hatte.
00:19:32: Genau,
00:19:32: da hast du getackert
00:19:35: und... Die gesamte Arbeit wurde dann als Art Pinwand an die Wand gepinnt in New York.
00:19:42: Da gibt
00:19:43: es zwei Fotos
00:19:44: glaube ich?
00:19:45: Ja, da gibt's drei Fotos von!
00:19:47: wo noch nicht mal alle drauf sind.
00:19:48: Also es gibt eins, wo alle draufsind aber das ist so weit entfernt sodass man so denkt also da kann man gar nichts mit anfangen großartig.
00:19:57: Es ist unfassbar eigentlich auch dass ich selber nicht will Verrückt hinterher war, dass jedes Stück dokumentiert wird.
00:20:07: Das war auch das Aufwendigste, was ich jemals gemacht habe.
00:20:11: Da hab ich teilweise Kalender und absurd ausgeschnitten in Form ... Und es ist einfach nicht ... Davon gibt's irgendwie vier Bilder?
00:20:22: Ich meine aber, das sagt halt auch ... etwas über die ganze Herangehensweise, dass man hat irgendwie ... Man hatte eine Idee und das Wichtigste war halt immer.
00:20:33: Dass es verwirklicht wird.
00:20:35: Aber was danach passiert?
00:20:36: War eben einfach nicht... Ich meine ich hab für das Kumpelnest, da gab's ja diese Ausstellungsreihe damals zehn Tage im Leben Es war praktisch jeden Tag war Aufbau- und Abbau dann zugleich.
00:20:50: Und die Ausstellungen Und ich habe halt diesen gesamten Gospelchor, der Kopf über hingennäht und das waren ja alles so Figuren.
00:21:00: Das waren glaube ich keine Ahnung einundzwanzig Figuren in Lebensgröße, in so Roben.
00:21:06: also es war halt alles aus so unterschiedlich farbigen Satin dass das so disco mäßig aussieht aber das war für einen Tag.
00:21:14: Also das ist so unglaublich und es wurde danach auch, ich meine das ist natürlich eigentlich ja auch so ein Museumsstück, also es könnte man sich eben gut vorstellen in der Museumssammlung und das habe ich dann halt so verschenkt, die wurden dann diese einzelnen Figuren werden verschenkt völlig absurd irgendwie Und das war ein ganz toller Abend.
00:21:37: Da lief halt die ganze Nacht, lief dann Gospel Musik... Also nicht nur Gospel Musik aber ich habe... Ich wollte dass alles rückwärts läuft also die ganzen ganze Nacht.
00:21:47: Das heißt ich hab ja da immer so tapes auch gespielt und ich habe dann praktisch alles was im Moment dann eben zu auf meiner Playlist war, habe eben alles rickwärz aufnehmen lassen und dann lief hat die ganze nacht im Kumpelnest diese Musik rückwerts
00:22:05: Und der Maske-Por hängt auf dem Kopf.
00:22:07: Und davon gibt
00:22:08: es auch nur ein Foto, aber immerhin ... Ja und
00:22:10: das gibt nur einen Foto davon!
00:22:12: Das ist so unfassbar... Aber so hat man einfach gearbeitet.
00:22:16: Aber es ist auch nochmal total interessant dass du das erwähnst weil wir haben jetzt über die Zeichnung gesprochen und auch bei uns in der Ausstellung ist natürlich die zeichnung so das priegende Das prägende Medium.
00:22:26: Aber du sagst auch immer selber, du bist Multimedia-Künstler?
00:22:30: Du machst Filme und haben wir in der Ausstellung ... Und gerade diese frühen Arbeiten dieser Gospelcore aber auch die Tarnpolover für Ausländer das waren ja so die ersten Sachen mit denen du hier in Berlin als Künstler im Hunde
00:22:42: ... Als Ja!
00:22:43: Ich meine ich hab so in den Achtzigern da war das ja ... ich meine so diese Punk, Postpunk Zeit.
00:22:51: Man hatte halt kein Geld und man hat sich dann Sachen gemacht.
00:22:56: Ich hatte schon ein bisschen Geld, weil ich immer Jobs hatte.
00:22:58: Und ich hab alles zu Vivian Westwood und Malcolm McLaren getragen nach London.
00:23:04: Aber das restliche habe ich selber gemacht ... Eigentlich war die herangehensweise die eines bildenden Künstlers.
00:23:16: Also ich hatte eine Idee für einen Kleidungsstück Und mich hat das natürlich nur, ich hatte es nicht interessiert, dass in Größe zweiundvierzig bis achtenvierzzig zu machen.
00:23:26: Sondern das ging halt nur darum, dass man das halt einmal auch tatsächlich sieht an irgendeiner Person und das ist natürlich nicht die Herangehensweise eines Modedesigner.
00:23:39: Aber ich habe dann auch so Kollektionen gemacht in Klammern, die dann auch gezeigt wurden.
00:23:45: Also sie wurden im Tunnel gezeigt in New York Und lustigerweise ist Joey da aufgetreten.
00:23:52: Das war
00:23:53: ... Genau, und das war in dem Jahr adhesive.
00:23:56: Das wär natürlich auch besonders toll!
00:23:58: Weil das jetzt eben fast vierzig Jahre waren und wir immer noch befreundet sind... und der hier bei meiner Ausstellung halt auch aufgetretend ist und es war einfach super.
00:24:10: Also ich hab dann eben in den achtzigern so Mode gemacht wie so viele als Mode gemacht haben auch Und eben halt so unterschiedlich, also im Heaven in London hatte ich dann auch eine Modenschau und so.
00:24:24: Und hatte eben im Dschungel dann auch.
00:24:29: Und da war es so jetzt
00:24:34: Türsteher damals
00:24:35: gewesen?
00:24:35: Genau!
00:24:36: Da habe ich dann halt so eine Riesenmodenschau gemacht.
00:24:38: Das war dann halt ... Ich hab das halt mit dem Wissen gemacht keine Mode machen möchte.
00:24:45: Also ich hab das nicht gemacht, um jetzt irgendwas zu starten.
00:24:50: Das war so der fulminante Abschluss?
00:24:52: Genau!
00:24:52: Das war ein Abschluss und ich habe dann einfach gemerkt dass ich glaube ich eher ... Ich konnte mich natürlich damals noch gar nicht als Künstler definieren weil das ja in Deutschland auch... Habe ich einfach gar nicht diesen akademischen Background Damals ja noch sehr viel mehr, also sehr viel wichtiger war.
00:25:11: Und ich glaube ich war auch in der German Open weiß nicht einer von... Ich glaube da war glaube ich Kai Althoff war glaub ich noch Autodidact glaube ich.
00:25:19: Aber ansonsten waren das von, weiß ich dreißig Leuten waren das glaube ich zwei die eben nicht diesen akademischen Background hatten.
00:25:29: und naja auf jeden Fall habe ich dann eben Schon immer noch mit Stoff gearbeitet, wie auch dieser Gospelchor.
00:25:38: Dann gab es diese Burberrysmaske und ... Aber das war dann schon eher so Soft Sculpture, könnte man sagen?
00:25:47: Und dann gab es eben zweiundneinzig diese Ausstellung mit Sabina Maria van der Linden im Künstler aus Britannien Und damit ging das eigentlich los.
00:25:56: Es gab damals etwas, es hieß Local Hero.
00:25:59: die konnten sich halt nicht entscheiden so zwischen uns wen sie ausstellen also wen sie dann nehmen wollten für dieses Jahr für zweiundneinzig und haben uns dann eben gefragt ob wir auch sowieso befreundet waren ob wir das gemeinsam machen würden.
00:26:16: und parallel lief eine Ausstellung die hieß Getting to know you und das war alles amerikanische Künstler Und das war natürlich auch so diese AIDS-Hochzeit und so.
00:26:28: Das war halt schon eine sehr politische Ausstellung, aber irgendwie kam unsere damals so besser an.
00:26:37: Weiß ich nicht!
00:26:38: Wir haben halt so ähnliche Themen behandelt, aber wir hatten halt auch dann so Rieseneröffnungen und es war einfach alles so poppiger.
00:26:48: Dadurch ging's dann eben los bei mir, dass ... Darüber dann zu Bruno Bonett kam und
00:26:54: so ging es los.
00:26:56: So
00:26:56: ging das eben dann halt los?
00:26:58: Du hast im Titel- und Thema erwähnt der Ausstellung, du warst hier sowieso total nah dran an unserer Ausstellung.
00:27:05: Du hast dich ja fast schon selbst kuratiert.
00:27:07: Das war ein Phänomen!
00:27:09: Und du warest auch relativ schnell mit dem Titel.
00:27:12: It's Breaking My Tongue.
00:27:13: Ich glaube
00:27:13: der Titel war da bevor irgendwas
00:27:15: anders
00:27:16: war.
00:27:17: Biba's Twentieth Century Debris.
00:27:20: drauf geeignet.
00:27:20: Wir benutzen die deutsche Übersetzung irgendwie so Trümmer, also Überbleibsel-Reste... Wie kamst du da drauf und was sind für dich die Trümmer?
00:27:28: Ich meine im Moment sowieso alles irgendwie düstere Zeiten.
00:27:33: Du hast das ja schon den Nagel auf dem Kopf gehauen!
00:27:36: Nee, aber es sind natürlich auch diese Arbeiten, die wirken eben auch wie über Bleibsel, gerade die arbeiten aus diesem ersten Raum.
00:27:46: Das war eine Teilharte Zeit.
00:27:50: Gerade in meinem Leben hatte ich auch sehr viele Menschen, die damals mit HIF umgehen mussten.
00:28:01: Aber es waren gleichzeitig auch wahnsinnig progressive Zeiten.
00:28:06: Da ist halt so viel, also auch so pop-pulturell passiert eine Erneuerung und ... Naja, und jetzt leben wir einfach wirklich in Zeiten wo man so das Gefühl hat dass es wirklich alles in Gefahr.
00:28:21: Und es gibt irgendwie keine Moral mehr.
00:28:25: und so kam dann natürlich auch dieser Titel zustande der aber natürlich auch wieder an Titel aus dem Pop erinnern lässt also wie ein Twentieth Century Boy von T-Rex.
00:28:42: Titel sind ja immer gerne so angelehnt und sowas.
00:28:45: Und hältst du dich gerne auch mit den Leuten, die in deiner Ausstellung waren?
00:28:49: Ich habe gehört dass du häufig bei uns bist.
00:28:51: hast du das schon mal gemacht.
00:28:52: Was
00:28:52: bin ich überhaupt nicht hier!
00:28:54: Stimmt überhaupt nicht!
00:28:57: Aber du
00:28:57: beobachtest gern Leute in der Ausstellung.
00:28:59: Ja
00:28:59: natürlich aber das ist doch... Das ist doch ganz normal, oder?
00:29:03: Dass man Leute beobachtet.
00:29:05: Ich muss jetzt nicht mit jedem sprechen und ich muss auch nicht sagen ... Oh hallo!
00:29:08: Ich bin der Kitzler.
00:29:09: So ist das jetzt nicht.
00:29:11: Aber ich finde das schon interessant was Leute sagen weil die natürlich oft dann so Quatsch erzählen wie das gemacht wurde.
00:29:18: Und es ist immer toll wenn zwei stehen vor dem Bild und einer weiß dann genau wie das jetzt so entstanden ist.
00:29:25: Es ist völlig falsch Aber zur Interaction mag ich eigentlich schon ganz gern.
00:29:36: Ich finde das schon interessant, man sitzt da so lange dran... Und das ist so eine einsame Geschichte dieses Zeichnen.
00:29:44: Ich meine, ich verbringe halt achtzig Prozent meiner Zeit alleine einfach weil das... Das ist auch so gewollt aber darum findet man das dann natürlich schon auch mal ganz gut.
00:29:55: Das passiert ja so selten.
00:29:57: also dass es jetzt eine Möglichkeit gibt, dass man irgendwo im Museum sitzt und dann beobachtet wie Leute die eigenen Arbeiten ansehen oder darüber reden.
00:30:09: Ja und ist ja auch irgendwie total spannend, weil deine Kunst ist ja wie gesagt so sehr eng mit dir verbunden.
00:30:15: Mit deinem Leben.
00:30:16: also gerade auch diese frühen Zeichnungen das sind ja auch Menschen die um dich rum waren Dinge die du erlebt hast Und da dann zu sehen wir reagieren die Leute darauf.
00:30:24: Wir hatten jetzt die tage eine kleine rundgang mit kolleginnen gemacht und hat eine Kollegin was sehr schönes gesagt.
00:30:30: sie meinte nämlich sie findet es so spannend Eigentlich sind das deine sehr privaten Dinge, aber dass es trotzdem scharfst.
00:30:39: Dass man sich so ganz doll verbunden damit fühlt ist ja schon auch interessant.
00:30:45: in diesen Sachen auch findet, was man auf sich selber beziehen kann.
00:30:50: Aber das
00:30:51: ist ja eigentlich ganz normal.
00:30:53: Das ist ja immer so was universelles halt auch.
00:30:57: Ja wobei du dich ja auch thematisch mit Dingen auch beschäftigst die oft mit denen sich viele Künstler ihnen gar nicht beschäftigen also oft ja auch sehr ernste Themen, sehr düstere Themen aber auch so Beiläufigkeiten.
00:31:09: Also vieles hat ja sowas so etwas Beilläufiges.
00:31:13: oder Dinge
00:31:14: Ja, zum Nicht-Themen.
00:31:16: Das ist ein super Auswirk.
00:31:18: Oder
00:31:18: so Kleinigkeiten...
00:31:20: Die wir alle kennen an denen wir alle jeden Tag vorbeigehen oder die uns begegnen aber die ja vielleicht gar nicht wahrnehmen?
00:31:27: Ja das ging eigentlich relativ früh auch los dass ich so ich wollte so Dinge festhalten die man eigentlich Gedanken verloren, ganz kurz wahrnimmt.
00:31:39: Und dann sind die wieder weg, dass man das so festhält.
00:31:44: Da gibt's immer eine Zeichnung von Griefbeschwerer.
00:31:48: Da guckt man kurz hin und denkt kaum drüber nach.
00:31:52: Dann guckt er fast durch ... Es wandert irgendwo anders hin.
00:31:57: Das ist sowas dann immer ...
00:31:59: Ja ja, das ist immer wie Snippets ein bisschen oder?
00:32:03: Genau!
00:32:04: Und ich glaube aber, dass diese Dinge einen dann auch wieder... Die erinnern einen selber an irgendwas anderes.
00:32:12: Also so geht es immer und da hat jeder etwas anderes.
00:32:16: Der sieht dann auch ein Briefbeschwerer und denkt dann wieder an was ganz anderes.
00:32:20: Das trägt ihn dann auch in die Vergangenheit.
00:32:27: Ja, klar.
00:32:27: Das löst dann so eine Assoziationskette einfach aus.
00:32:30: Genau.
00:32:31: Dass das für viele Besucherinnen total spannend ist oder auch gerade im ersten Raum man auch Dinge sieht die man schon wieder vergessen hat.
00:32:39: Ich erinnere mich an dieses eine Spielzeug, dass man über die Treppen runter ...
00:32:44: Also dieses Slinky?
00:32:45: Ja genau!
00:32:47: Irgendwann in den Neunzigern war das ja überall.
00:32:49: und solche Dinge, die einem gar nicht mehr bewusst sind oder die man gar nicht mal so viel sieht... Die haben wir
00:32:54: schon.
00:32:56: Du spielst da jeden Tag.
00:32:59: Aber so im zweiten Raum der Ausstellung, da sind ja nun auch viele von den neuen Arbeiten und es sind ja viele Arbeiten die eben aus ein bisschen düstere Themen haben.
00:33:08: Ich denke zum Beispiel an die Lampe, die ja auch für dich so ein ganz wichtiges Motiv für die Ausstellung war, die auch auf dem Katalog vorne drauf ist, die einen Motiv aus The Wizard of Oz sieht eigentlich eher ... Ein positiverer Film.
00:33:21: Und diese Lampe hast du ja ... Na
00:33:23: ja, The Wizard of Oz hat auch
00:33:25: seine Tiefen.
00:33:27: Ja,
00:33:27: absolut!
00:33:28: Aber du hast es, was jetzt wesentlich düsteres kombiniert und diese Lamppe gibt das wirklich mit einer Figur von John Wayne Gacy, den Varian-Mörder.
00:33:37: Wozu man sagen muss?
00:33:38: Dazu muss man eben sagen, dass das alles so zufällt.
00:33:43: Ich hab irgendwie aufgeräumt zu Hause und hab dann diese Figur da so reingestellt.
00:33:49: Dann hab ich da so hingeguckt, dachte oh Gott das ist ja ... Das ist ja so perfekt!
00:33:53: Das sieht aus als ob das niemals anders aussah.
00:33:56: Weißt du also, dass es für eine Motiv gemacht war?
00:34:00: Also es ist halt ein Stillleben.
00:34:03: Und so entstehen dann so Sachen.
00:34:05: Und dann denkt man natürlich auch darüber nach Okay, das sind so die Dinge, die man kauft auch irgendwie bei eBay.
00:34:14: Ich meine inzwischen halt sehr viel weniger und Amazon
00:34:18: usw.,
00:34:19: das benutze ich jetzt nicht mehr.
00:34:21: aber eine Zeit lang war man dann schon so in dieser Konsumspirale.
00:34:26: Das spielte alles natürlich mit ...
00:34:29: Und natürlich auch dieser Gacy ist ja eine Clowns-Figur, also der richtige Gacy immer wieder als Clown aufgetreten.
00:34:38: Und Clownes kommen öfter bei dir vor dieses Maskierte und der Clowne ist ja auch ne sehr schwierige Figur ... Also eigentlich ein fröhliche Figur kann auch eine traurige Figuren sein aber natürlich auch so eine
00:34:49: Hauerfilmfigur.
00:34:50: Ich habe noch nie verstanden wie man Kindern Clownen vorsetzen kann.
00:34:54: Ist aber
00:34:55: ja so Kinderverkleidung.
00:34:58: Es gibt einen Clown aus meinem Leben.
00:35:01: Und zwar war das eine Gemälde, ich weiß nicht ... Meine Mutter hatte das her.
00:35:06: Auf jeden Fall war es diese Clownsfigur, die mich in Panik und Schrecken versetzt hat als Kind.
00:35:12: Die ein halt immer mit verfolgt hat, wenn man's da vorbeilieft.
00:35:16: Da ging das los bei mir, dass ich so diese ... Das ist für mich halt so ein mittelschlimmste, diese Clownsfiguren.
00:35:23: Deswegen verstehe auch das Stephen Kings S., dass er eben eine Clown-Figur ist und es ist das Erschreckendste was man sich vorstellen kann.
00:35:33: Und ja die tauchen immer wieder auf.
00:35:34: Und John Wayne Gacy der natürlich ... Also das war ja total fratzenmäßig wie der sich angemalt hat.
00:35:45: So isst ihr dann in Kindergärten.
00:35:48: Also wenn er nicht gerade junge Männer umgebracht hat, so irgendwie war das dann ein paar seine Beschäftigungen.
00:35:54: Ja und das dann halt ja auch immer diese Frage was ist hinter der Maske?
00:35:57: Ist da überhaupt etwas?
00:35:58: Genau!
00:35:58: Und wenn
00:35:59: ja...was?!
00:36:00: Also mich gruselt es ja jetzt schon ich kann überhaupt nicht mehr unbescholten durchgehen.
00:36:07: Ich wollte vielleicht noch auf was anderes eingehen.
00:36:09: Wir haben in der Sammlung einen Fotografen, vielleicht kennst du den auch.
00:36:12: Herbert Tobias heißt ja?
00:36:13: Ich glaub, den kennste bestimmt und von dem gibt's ein Foto und das hat den Untertitel The Berlin Party is over!
00:36:20: Und der Untergang Berlins wird immer wieder postuliert – im Moment auch wieder.
00:36:25: Ist es jetzt vorbei mit der Stadt?
00:36:26: Bist du deswegen Barthelona?
00:36:28: Ach so, nee... Also Berlin ist halt….
00:36:31: Es ist jetzt nicht gerade meine Lieblingsstadt aber Es ist natürlich Heimat irgendwie.
00:36:40: Also, wenn ich hier nicht ... Für mich war das keine bewusste Entscheidung nach Berlin zu kommen.
00:36:45: Ich bin hier geboren und als Kind wieder zurückgekommen.
00:36:50: Und ich bin ganz sicher, dass ich, wenn das nicht der Fall gewesen wäre, irgendwann nach Berlin gekommen wäre auch.
00:36:57: Und Berlin ist halt immer in Bewegung kommen auch wieder andere Zeiten und ich finde, es gibt nur immer noch genügend Gründe in Berlin zu sein.
00:37:10: Zum Beispiel deine Ausstellung?
00:37:13: Meine Ausstellung genau!
00:37:15: Die läuft nämlich noch bei uns in der Berlinschen Galerie bis zum vierzehnten September Und im Juni und August beklebt euch Marc beim Brandenburgie eins und zwei
00:37:27: mit
00:37:27: seinen Tattoos.
00:37:28: Und
00:37:29: zwar die neuen Tattoes, die ja speziell für die Ausstellung auch gemacht wurden!
00:37:34: Das
00:37:34: solltet ihr nicht verpassen – come and get it!
00:37:37: Termine und Tickets findet ihr auf unserer Website!
00:37:39: Genau!
00:37:41: Ich freue mich schon sehr drauf!
00:37:43: Wie uns auch.
00:37:44: Und noch ein Hinweis meinerseits, in diesem Podcast erwartet euch eine Neuerung.
00:37:48: Mehr dazu erfahrt ihr schon sehr bald hier im Feed und auf Instagram Stay Tuned!
00:37:52: Vielen Dank Marc, vielen dank Helga.
00:37:54: Ich danke
00:37:54: euch
00:37:55: für die tolle Zusammenarbeit und für die Tolle Ausstellung.
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