Hey Florian Lamm, was macht gute Gestaltung aus?
Shownotes
Wir sprechen mit dem Grafiker Florian Lamm darüber, was gute Gestaltung ausmacht und die Frage, ob es in Zeiten von KI überhaupt noch Grafikdesigner*innen braucht. Es geht um: die sich verändernde Rolle des Buches, die Kataloge, die Florian für die Berlinische Galerie gestaltet und zwischendurch landen wir sogar kurz im Bereich „New Romance". Außerdem ist es die erste Folge, die von unserer neuen Co-Host Anne Waak moderiert wird.
Mehr über Florian erfahren: https://lamm-kirch.com
Website der Berlinischen Galerie: https://berlinischegalerie.de/
Folge der Berlinischen Galerie auf Instagram
Produktion: Studio Soma
Coverfoto: Tamara Eckhardt. Ostkreuz
Transkript anzeigen
00:00:02: Ich glaube, wenn wir Bücher machen sollten uns die Frage stellen warum das als Buch da ist und dann muss es irgendwie entweder inhaltlich begründbar sein.
00:00:09: Das muss formal begründbar seien, das muss ästhetisch begründbar Sein.
00:00:12: optimalerweise alles zusammen.
00:00:16: Herzlich Willkommen zu Kunst in Berlin.
00:00:19: ich bin Anne Waag, Journalistin und Autorin.
00:00:22: In diesem Podcast spreche ich mit Akteuren der Kunstwelt.
00:00:26: Mich interessiert was macht ihre Arbeit aus?
00:00:28: Und was hat sie mit unserer Zeit zu tun?
00:00:32: Herzlich Willkommen Florian Lamm.
00:00:34: Schön, dass du da bist!
00:00:35: Hallo Anne, vielen Dank für die Einladung.
00:00:37: Du gestaltest zusammen mit Jakob Kirch seit zwei tausend zwölf visuelle Identitäten Bücher, Kataloge Ausstellungen im Bereich Kunst und Kultur unter anderem für Künstlerinnen wie Werner Maler und Ute Maler Verlage wie Spectre, Buchs Und auch die berlinische Galerie.
00:00:55: Für eure Arbeit werdet ihr regelmäßig mit Preisen ausgezeichnet.
00:01:00: Wie würdest du denn jemandem, der deine Arbeit nicht kennt, deinen Stil beschreiben?
00:01:05: Ich glaube das was wir versuchen zu machen ist nicht unbedingt immer einfache Lösungen für Sachen anzustreben sondern eher irgendwie mit einem Verständnis einer komplexeren Welt auch an Erscheinungsbilder oder Kataloge heranzugehen.
00:01:23: also ich glaube nicht daran dass Wir mit einfachen Botschaften innerhalb von der Kultur, in der wir uns bewegen zu dem Punkt kommen das irgendwie eine neue Diskussion angestoßen werden kann.
00:01:37: Also wenn ich überlege wie Werbung formuliert wird dann wird die meiner Meinung nach immer stumpfer an vielen Stellen und ich glaube dass es Kulturfeld eigentlich eins ist indem wir quasi gegen diese Stumpfheit eigentlich agieren müssen.
00:01:54: Das heißt, wenn ich quasi versuche mich auf das gleiche Level eines ewigen Pass pro Toto herunter zu bewegen.
00:02:02: Wo ich eine Sache für das viele hinstelle, dann sorgt es eigentlich dafür, dass die Diskussion ein bisschen
00:02:08: verflacht.".
00:02:09: D.h.,
00:02:09: es geht dir darum, zu verkomplizieren?
00:02:12: Im Zweifel ja!
00:02:15: Nee, das nicht.
00:02:15: Aber ich glaube nicht daran ... Ich glaube, dass Menschen irgendwie sehr viel mehr aufnehmen können als wir ihnen an vielen Stellen zutrauen auch viel mehr Informationen aufnehmen können, als wir ihnen zutrauen.
00:02:28: Und ich glaube das diese Grundannahme, dass wir alles einfach machen müssen und es ist jetzt nicht nur unbedingt oft gestaltungbezogen sondern du kannst ja auch auf Politik extra polieren.
00:02:37: Ich glaube alles immer runter zu brechen und zu sagen Das ist nur so und das is nur so also so ein ewiges damit auch ein hergehendes schwarz-weiß klassifizieren Dass das eigentlich immer ... das trägt eine Polarisierung in sich Und diese Polarisierung ist eigentlich, finde ich auch gestalterisch eher langweilig.
00:02:57: Wenn ich jetzt quasi meine eigene Gestaltung beschreiben müsste, dann versuche die quasi ... Versuche ich, Ehrsachen in diesen Komplexitäten zu gestalten.
00:03:07: Das hat ein bisschen was mit unserer Studiostruktur zu tun, dass wir zu zweit sind und es immer eine gewisse Idee von Pinkpong gibt, die natürlich dazu führt das die Sachen... Also aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven betrachtet sind.
00:03:20: Jakob kommt vom Zeichnen eher von sowas händischen.
00:03:23: Ich komme eher von einer Idee, von Schreiben ein bisschen programmieren.
00:03:27: Jakob sagt immer ich denke von links oben nach rechts unten und er denkt von der Mitte aus nach außen Und das trifft sich dann irgendwo so dazwischen und muss halt verhandelt werden.
00:03:37: Lass es uns doch mal konkret machen.
00:03:39: also ich habe einen Plakat vor Augen.
00:03:42: Urbane Künste Ruhe glaube ich.
00:03:44: ihr arbeitet viel mit Überlagerungen.
00:03:47: Es gibt Farbverläufe, es ist um sie auf einen Begriff zu bringen oft sehr dicht.
00:03:52: Ist das richtig?
00:03:53: Ja.
00:03:54: Um beim urbanen Künstlerur Beispiel zu bleiben die Idee da war eigentlich zu sagen wir haben ausgehend von der Struktur der Institution was eine Dezentrale ist andere Problemstellungen.
00:04:07: Das heißt sozusagen Keine Ahnung, in der Kommunikation eines Museums leite ich Leute immer an einen Ort.
00:04:13: Ich habe quasi sozusagen gewisse Richtungen die sind schon vorgegeben.
00:04:16: Urbane Künstlerur leitet Leute an mutible Orte.
00:04:19: das heißt wir haben versucht dort immer Hinweise in Form von Collagen auf die Orte zu geben an denen die künstlerischen Performance stattfand.
00:04:26: Das heißt Wir haben ein Fotografen beauftragt mit Urbane-Künstlerurt zusammen.
00:04:31: dem Fall war es Heinrich Holtgräwe von Ostkreuz, der an die Orte gefahren ist wo nachher Sachen stattfinden sollten und sozusagen diese fotografisch schon interpretiert hat.
00:04:43: Die dann wiederum
00:04:45: zu
00:04:46: größeren Collagen würde ich jetzt mal nennen wurden, die für die einzelnen künstlerischen Positionen dann sozusagen schon eine Art Hinweis in der Gestaltung waren auf das was da passieren kann.
00:04:58: Da das aber alle site-specific works waren mehr oder minder gibt es ja quasi in dem moment wo wir damit beauftragt sind werbung zu machen für etwas keine noch keine arbeit.
00:05:08: die ist ja noch nicht die existiert einfach noch nicht Und meistens sind die Skizzen zu einer Arbeit dann auch noch nicht so interessant, dass man jetzt sagen könnte okay das ist wirklich was, was man rausbringen könnte.
00:05:19: Ich glaub schon ziemlich daran, dass irgendwie Grafikte sein, was mit den gerade im Kulturumfeld etwas mit den Arbeiten zu tun haben sollte oder mit den Orten, also es sollte Bezugspunkte geben.
00:05:30: Ich glaube nicht, dass eine Farbfläche mit ein bisschen lustiger Schrift drauf irgendwie den Job macht.
00:05:36: Also das ist irgendwie ... Weiß ich nicht... Das ist mir zu einfach!
00:05:40: Lass uns doch mal über den Katalog sprechen, den du gerade gestaltest für die Berlinische Galerie.
00:05:48: Anlass ich der Ausstellung über den Architekten Josef Kaiser.
00:05:52: Kaiser hat einige der prägendsten Bauten der DDR-Nachkriegsmoderne entworfen wie das Kino International oder auch das Café Moskau jetzt?
00:06:03: in dem Fall Wie gehst so an einen solchen Auftrag heran?
00:06:07: Was sind Entscheidungen, die du zu treffen hast?
00:06:10: Dinge, die du dir anschaust, Recherchen.
00:06:13: Die du
00:06:13: betreibst.".
00:06:14: Ich mein Kaiser ist dahingehend extrem interessant weil er eigentlich relativ wenig zu... Also es wurde sehr wenig zu ihm publiziert bis jetzt.
00:06:22: das heißt Es gibt nicht so wahnsinnig viel Referenzmaterial.
00:06:25: Es gibt ein paar Publikationen die sind mehr oder minder vollständig würde ich jetzt mal sagen.
00:06:32: Das was sich an den Sachen aber immer zeigt ist ein bisschen dass es quasi entweder Ein historisches Material gibt oder irgendwie so ein Versuch davon, das auch zeitgenessisch noch mal zu interpretieren.
00:06:42: Dann werden sich meistens aber die historischen Teile und die Zeit genessischen Teilen gegenübergestellt im Sinne von her, guck mal, so sah es früher aus und sowas jetzt.
00:06:50: Und dann gibt's eine Links-Rechtsabbildung etc... Jetzt als die Berlinische Galerie uns angefragt hat, da haben wir uns getroffen und vor allen Dingen uns dieses Archiv angeguckt was er in der galerie liegt aus dem Nachlass von ihm herauskommen sozusagen.
00:07:08: Und die Menge von Material, die da drin steckt ist Wahnsinn!
00:07:11: Also das ist einfach irgendwie.
00:07:13: du stehst, guckst du das an und denkst irgendwie... Da steckt so viel auch noch mehr drin als jetzt nur das Verhandeln des Gebäudes sondern da steckt die Politik mit drinnen, da stecken ganz viele Erzählungen mit drin.
00:07:26: Er hat irgendwie noch einen Antakon heißt dass quasi eine Art Biografie geschrieben über sich selbst in der er sich auch teilweise krass überhöht, was irgendwie auch extrem spannend ist.
00:07:35: Also der ist schon auch als Person irgendwie so etwas wo man sich ein bisschen dran reiben kann und es greifen
00:07:40: kann?
00:07:40: Der war auch tenor habe ich festgestellt.
00:07:42: er hat dann irgendwann nochmal eine Sänger Ausbildung
00:07:44: gemacht Ja zeitgleich also.
00:07:47: das lief quasi zum Architektur-Business sozusagen wenn ich das richtig in Erinnerung hab'.
00:07:52: Und es ist halt halt schon sowas Exzentrisches drinnen und ich meine siehst du ja vielleicht im Vergleich zu anderen Bauten aus der Nachkriegsmoderne sieht man so ein bisschen die Exzentrik vielleicht auch in der Architektur durchklingen.
00:08:03: Und ich finde es aber für Berlin ist er irgendwie ziemlich, der ist unterbeleuchtet so ein bisschen.
00:08:09: Ja, ich kannte den Namen bis dahin nicht.
00:08:10: Jeder kennt das Kino international oder die länger S-II Jahre in der Stadt wohnt?
00:08:14: Kosmos kennst du auch und diese ganzen... also man zieht die Sachen
00:08:17: und... Max Ali ja!
00:08:19: Ich glaube halt deswegen ist das eigentlich ein spannendes Thema weil zum Beispiel das Westdeutsche Pondant, das Hansa Viertel, ist ja relativ gut beleuchtet.
00:08:26: Also du warst quasi sozusagen quasi Wir haben jetzt Stalin Allee, jetzt Keimax.
00:08:30: Es ist quasi als Ensemble ... es kennt jeder!
00:08:33: Es gibt ein bisschen Publikationen dazu aber sozusagen zur Architektur dahinter und auch zu der Genese wie es zu der Architektor kommt gibt's dann doch nicht so viel.
00:08:41: Das ist ja ein bisschen so einen Einstiegspunkt was bei uns halt irgendwie so eine Interesse triggert.
00:08:45: Dann haben wir überlegt wie wir eigentlich das fassen können ohne jetzt weder Vergleiche direkt anzustreben noch irgendwie nur historisch das Material abzubilden weil ich glaube Teil von so einer Architekturgeschichte sein könnte oder sollte sich diese Gebäude auch im Jetztzustand anzugucken, weil es erzählt glaube ich sehr viel über Architektor.
00:09:07: wenn die Architektor jetzt noch funktioniert.
00:09:10: Oder halt nicht funktioniert das ist ja quasi genau das was zu verhandeln ist und haben dann eigentlich überlegt und es ist denn wieder nochmal so.
00:09:18: eine andere Sache.
00:09:19: ich glaub irgendwie Bücher entstehen aus Büchern und es gibt quasi irgendwie immer so Referenzobjekte, die man irgendwie ranziehen kann.
00:09:27: Und in dem Fall das was wir jetzt bauen ist quasi ein inneres Buch und ein äußeres Buch, was quasi ineinander liegt.
00:09:34: Das innere Buch ist sozusagen das Recherchebuch da ist das ganze historische Material drin Da sind die Texte drinnen, dass alles von unten außen.
00:09:41: Gibt es einen zweiundereißigseitigen Umleger der vorne- und hinten als eine Art viel zu dicker Schutzumschlag funktioniert ist zeitgenössisch fotografiert.
00:09:52: Das heißt Morgan Renoux und Simon Schnepp haben jetzt den Auftrag gehabt, die Gebäude, die quasi noch stehen durchzufotografieren, die auch im zeitgeschichtlichen Teil quasi verhandelt werden, nochmal modern zu interpretieren und abzugehen und daraus eine Bildstrecke zu entwickeln.
00:10:10: Und das war eigentlich die Hauptidee, zu sagen man nimmt diese Sachen eigentlich auseinander und steckt sie aber wieder zusammen.
00:10:18: Idee von, ah warte mal ich muss das jetzt noch einmal eigentlich im Heute zeigen und ich muss es jetzt nochmal in der Vergangenheit zeigen.
00:10:25: Sondern ich kann das quasi... Ich kann das im gleichen Objekt tun ohne dass sich die aber genau gegeneinander stellen.
00:10:31: Ja diese direkte Gegenüberstellung?
00:10:33: Und daraus hat sich dann quasi ein Objekt entwickelt und daraus leitet sich dann bisschen so den Rest ab.
00:10:38: Das heißt es gibt so eine... Ich sag jetzt mal materielle Grundsprache würde ich's nennen oder Grundidee und diese materielle ...spinnt sich dann quasi eigentlich fort.
00:10:48: Und die kommt aber wiederum auch aus einem Objekt, was ich so ähnlich in einer Druckerei in Shenzen gesehen hatte letztes Jahr.
00:10:54: Ich würde gerne noch meinen Schritt zurückgehen.
00:10:56: Du hast in Leipzig eine Hochschule für Grafik und Buchkunst studiert... Inwiefern hat denn das, du hast vielleicht auch schon angedeutet, deine Herangehensweise?
00:11:07: Vielleicht genau an so ein Buch-Objekt geprägt?
00:11:11: Ich glaube, Leipzig war dahingehend interessant weil es Zu dem Zeit, ich hab da im Jahr war es auch immer eine relativ kleine Hochschule.
00:11:22: Damals waren es, glaube ich, vierhundertzwanzig Studierende auf vier Studiengänge.
00:11:27: Das heißt wir hatten ne Klasse von vierzehn Leuten und das ist ein fast intimes Studium.
00:11:32: also du siehst halt vierzehnt Leute immer wieder jeden Tag gute Betreuungsratio, hast eine extrem handwerkliche Ausbildung zu dem Zeitpunkt.
00:11:42: Das heißt du musst in den Bleisatz gehen und in die Bünderei gehen.
00:11:46: Du musst in so unterschiedliche sehr physische ...
00:11:50: Ihr habt noch Bleisats
00:11:51: gelernt?
00:11:52: Ich hab noch ... Na ja, gelernt!
00:11:54: Also wenn ihr da fragen würdest, habe ich das nicht gelernt.
00:11:57: Wenn du mich fragst, hab ich's gelernt.
00:11:59: Du weißt was es ist
00:12:01: und könntest
00:12:02: damit umgehen... ... in der rudimentären Form.
00:12:06: Obwohl das ja eigentlich keine Rolle mehr spielt oder im Handwerk, im Buch?
00:12:10: Nee
00:12:11: ich glaube es spielt eine Rolle im Verständnis.
00:12:14: Ich glaube quasi sozusagen Objekte...in jeglicher Form lassen sich händisch manchmal besser erfahren als wenn ich sie nur digital erfahre.
00:12:23: Ich meine beim Bleisatz ist quasi sowas ganz komisch ist und du verstehst dass sozusagen eine Buchstabe eine gewisse Breite hat und dass diese Breite sehr physisches.
00:12:32: Und diese sehr physische Breite, damit kannst du genau ganz gewisse Sachen machen.
00:12:36: Du kannst zum Beispiel nicht ins Extreme negativ gehen, aber ins Positiv gehen.
00:12:40: Was bedeutet das?
00:12:41: Du kannst Buchstaben, weil sie ne gewisse breite haben ja nicht ineinander schieben, weil es ist ja aus Blei da.
00:12:47: Also du kannst das Blei ja nicht ineinanderschieben.
00:12:50: Das hat so...
00:12:51: Also du kannst die auseinanderziehen, aber nicht zusammenschieben.
00:12:54: Es hat so ganz komische Komponenten, wo man sich irgendwie Und damals vielleicht als so... ...zweiundzwanzigjähriger Student.
00:13:03: Sich denkt, was soll das?
00:13:05: Was bringt mir das jetzt?
00:13:06: Wo bringt mich das hin?
00:13:07: und dann aber irgendwie zehn, fünfzehn Jahre später macht es ein bisschen klick und bringt einem irgendwie... Also vielleicht zeigt das auch einfach nur, dass ich extrem langsam bin mit dem Nachdenken.
00:13:16: Vielleicht zeigst du es aber auch quasi ... Hättest
00:13:18: du's schon damals verstehen
00:13:19: können?
00:13:19: Ja, vielleicht.
00:13:21: Vielleicht waren wir noch schneller.
00:13:23: Ich mein, Bleisatz ist das eine.
00:13:24: Aber zum Beispiel so Buchbinderei ist was anderes.
00:13:26: Das zeigt dir einfach quasi, was geht.
00:13:28: Auch wenn die Ausbildung dann sehr konventionell ist, zeigt es einem ein bisschen okay, was kann funktionieren.
00:13:34: und ich glaube, es gibt in dieser Hochschule einfach ne Extreme ... Es gibt ne extreme Affinität zum Buch.
00:13:41: Die auch... immer noch in gewissen Maße da ist.
00:13:44: Und die wird einem schon auch so ein bisschen mitgegeben, ob das jetzt zeitgemäß ist oder nicht?
00:13:49: Ist nochmal eine ganz andere Diskussion.
00:13:51: Also welcher Rolle spielt das Buch und wie kann man das jetzt greifen?
00:13:54: was welche Sinnigkeit steckt darin diese materiellen Objekte zu konstruieren.
00:13:59: also der hängt eine ganze Menge Fragen daran die man auch genauso an die Ausbildung darstellen kann.
00:14:04: ich glaube dass hätte einer anderen Hochschule hätte quasi sozusagen die vorliebe zu Objekten dann wieder anders ausgesehen es wäre irgendwie an der UDK wäre ich dann wahrscheinlich an anderen Stellen gelandet.
00:14:15: Ja,
00:14:16: über das Buch als Objekt sprechen wir auch gleich noch?
00:14:20: Du sagst, dass du lieber mit jemandem arbeitest als für jemandem.
00:14:24: dahinter steckt die Vorstellung von einer Kollaboration mit den AuftraggeberInnen oder aber auch allen anderen, die an so einem Projekt beteiligt sind.
00:14:33: und was heißt es denn konkret?
00:14:35: Ich glaube daran, dass quasi sozusagen in einer gewissen Idee Jede Person hat was, was sie gut kann und man lässt der Person den Freiraum, das auch gut zu tun.
00:14:47: Steckt ganz viel Kraft!
00:14:49: Und ich glaube nicht daran dass ich mich quasi weder als Gestalter noch als irgendwie Verlag, Autor, Druckerei irgendwie unbedingt über die anderen Stellen müsste.
00:14:59: So und ich glaube wenn man quasi zulässt, dass alle quasi gute Entscheidungen treffen können und in der Lage sind quasi die auch auszuspielen dann kann etwas mehr werden Ein Minimum, so.
00:15:10: Und ich glaub das da einfach, der steckt relativ viel Kraft drin und es geht aber weiter.
00:15:15: Das geht auf Druckereien, das geht auch alles ne?
00:15:17: Also wenn ich jetzt irgendwie quasi Leute hab mit denen ich über Jahre hinweg zusammenarbeite.
00:15:22: dann ist da ein Vertrauenslevel drinnen was mir halt ganz viele Diskussionen auch erspart.
00:15:28: Weil die Abläufer schon eingespielt sind und du weißt...
00:15:33: Im Zweifel ist es einfach auch vertrauen.
00:15:35: also im Zweifels ist es quasi Okay, das klappt schon wenn die das sagen.
00:15:40: Oder ja auch wenn wir jetzt über eine Deadline hinweg sind es ist schon okay dass wird schon nachher sich ausgehen und ich glaube da steckt aber ganz viel Kraft in diesem auch in dieser Form von Austausch dann drin.
00:15:50: so.
00:15:50: also es ist auch immer Reibung wenn quasi sozusagen soweit du halt anfingst Hierarchien zu brechen Und Du Leuten Entscheidungen zutraust.
00:15:58: Ich meine ich könnte mich jetzt auch mal hinsetzen und jeder Druckerei sagen irgendwie ne so geht das nicht und so geht Das Nicht.
00:16:02: Wenn ich aber auf das Feedbeck höre, kriege ich im Zweifel ein besseres Produkt raus.
00:16:07: Und es ist irgendwie ... Ich find's ganz dankbar!
00:16:10: Wie gesagt sind ein großer Teil deiner und eure Arbeit Kataloge- und Künstlernbücher die sehr aufwendig und teuer oft?
00:16:21: Manchmal...
00:16:22: Und die Zielgruppe ist dann doch relativ spitz.
00:16:26: Wofür brauchtest denn überhaupt noch Kataloage zum Beispiel?
00:16:31: Braucht es sie überhaupt
00:16:32: nicht?!
00:16:33: Oder warum lohnt es sich, um's mal positiv zu formulieren?
00:16:37: Dann noch diese Arbeit und Sorgfalt in so'n Objekt aus Holz zu stecken.
00:16:44: Aus toten
00:16:45: Holz!
00:16:46: Toten
00:16:47: geschredderten Holz... Ich glaub', das ist ne berechtigte Frage und es ist glaube ich auch ne berechstigte frage immer wieder jedes Mal neu bei jedem Objekt zu fragen muss ich das als Buch produzieren?
00:16:59: muss ich materielle Ressourcen irgendwie binden und die quasi in dieses Objekt bringen.
00:17:07: Ich glaube ziemlich stark daran, dass wenn diese Objekte eine gewisse Form von Sorgfalt, Liebe und irgendwie sowas wie Exatismus oder so was mitbringen, das sie dann eine Berechtigung haben können?
00:17:23: Ich glaube nicht daran, Keine Ahnung, Bilderdruckmatte.
00:17:28: Einmal durchgedruckt Standard, Katalog als Art Portfolio irgendwie Sinn macht weil das kann ich als PDF raus schicken.
00:17:37: da gibt es überhaupt keinen Grund warum mich daran jetzt sozusagen irgendwie diese Menge von Aufwand reinstecken müsste.
00:17:45: Ich glaube, wenn wir Bücher machen, sollten wir uns die Frage stellen, warum das als Buch da ist.
00:17:49: Und dann muss es entweder inhaltlich begründbar sein und formal oder ästhetisch.
00:17:56: Optimalerweise alles zusammen.
00:17:58: Dann verkaufen sich interessanterweise auch die Bücher ... Wir sehen an den Verkaufssein, dass diese Sachen gut gestaltet sind.
00:18:06: Das ist auch das Feedback von den Verlagen bekommen.
00:18:08: Dass sie sich ausverkaufen.
00:18:10: Da verkaufen zwei, drei, fünf Tausend Stück.
00:18:14: die Sachen, wo quasi das so ... Die Bleibenheit hängen.
00:18:18: Das ist ein interessanter Befund, den ich nicht erwartet hätte, dass es da eine direkte Koalition gibt?
00:18:24: Ich glaube, dass das quasi die Bücher wandeln sich vom einzigen Informationsmedium was verfügbar ist, also reden Anfang der Neunziger zu Objekten der Repräsentanz.
00:18:38: eher so was wie Geschenke.
00:18:40: Aber es ist nicht mehr die einzige Informationsquelle, die ich konsortieren kann, wenn ich jetzt irgendwas über einen Künstler oder Architekten wissen möchte.
00:18:45: Das ist im Zweifel mittlerweile irgendwie Chatchi-PT, was mir dann irgendwie die Antworten gibt nachdem ich so lange gesucht habe.
00:18:53: Ich glaube quasi Bücher sind ... Die verändern sich und dass die Rolle des Buches verändert sich auch dahingehend.
00:19:00: Und ich glaube damit einhergehend ist auch die Frage sozusagen Wie gestalte ich diese Bücher?
00:19:06: Die müssen irgendwie etwas haben.
00:19:08: Es muss nicht edel oder noble sein, es muss mit mir als Person irgendwas machen was ich von einer digitalen Oberfläche nicht habe könnte und das ist relativ häufig das Materialität.
00:19:18: also es ist irgendwie etwas greifbarer als etwas was sozusagen über die Arbeit hinaus etwas kommuniziert was... Und ich meine dass ist das was es mit Kunstpublikationen spannend macht was mir die Arbeit vielleicht vermittelt auf eine Art und Weise die ich vielleicht nicht unbedingt über ein Bild oder einen Text genau so vermittelt bekommen.
00:19:38: Über die haptische Qualität,
00:19:40: das Papier
00:19:41: ist, das schiere Gewicht des jeweiligen Katalogs?
00:19:46: Ja, oder genau umgekehrt.
00:19:47: Das ist fast gar nichts, wie es viel zu leicht ist für das, was ich erwarte.
00:19:51: Dass es Irritationsmomente gibt, dass das Papiert zu dünn ist oder zu dick ... Ich glaube der ... der Standard von dem, wo jetzt irgendwie dir quasi gesagt wird okay das ist das richtige Mittel.
00:20:06: ich glaube dass es eigentlich nicht interessant.
00:20:08: Es geht immer darum was anderes zu machen als die Lehrmeinung
00:20:13: mehr oder zumindest auszuloten wo so etwas hingehen kann.
00:20:16: also wie weit können wir zu gewissen imaginären Boundaries eigentlich ausschärmen und wo kann man da quasi vielleicht noch so Bewegungen finden die irgendwie mehr machen als nur ok da ist gut.
00:20:28: next Ich glaube auch, dass das auffällt.
00:20:31: Es fällt dir auf wenn du Sachen durchblätterst die bleiben hängen, wenn du mit etwas konfrontiert wirst was du jetzt nicht erwarten würdest.
00:20:41: und ich glaube auch dass das zum Beispiel bei potenziellen KäuferInnen durchaus das ausmacht was dich davon überzeugt irgendwie ein Buch zu kaufen.
00:20:49: also wenn du eh schon es in die Hand nimmst weil du thematisch dich dafür interessierst und du blättest dann etwas durch was vielleicht irgendwie sagt okay das ist aber interessant dann macht das schon mal was.
00:21:00: Und dieses Schummer-etwas machen, sind diese paar Sekunden mehr die du dich mit etwas beschäftigst?
00:21:05: Was beim Skrollen halt nicht so passiert oder?
00:21:10: Also da musst du anders überzeugen!
00:21:13: Ja ich glaube eine ganz große Rolle spielt auch wenn es jetzt um Informationen geht dass ein Buch immer noch einen abgeschlossener Kosmos ist.
00:21:21: Das Internet ist potenziell unendlich davon abgesehen dass nicht alle Informationen unbedingt... der Wahrheit entsprechend.
00:21:29: Aber damit kann man dann arbeiten, das ist ein begrenzter Raum.
00:21:34: Das hat eine Autorität in dem Zusammenhang, glaube ich, ein wichtiger Begriff und dann ist es das.
00:21:42: Und es ist nicht so potenziell oferlos.
00:21:45: Ja, aber auch das, was sozusagen das Gestalten von Büchern so wahnsinnig spannend macht.
00:21:49: Das macht doch das Gestiten vom Posten so spannend?
00:21:51: Es sind quasi in sich geschlossene Räume die ich quasi auch von Anfang bis Ende ziemlich kontrollieren kann.
00:21:58: Jetzt ist die Komplexität von Buchobjekten aber auch so, dass sie eine Herausforderung sein kann.
00:22:04: bei Postern zwei längere und zwei kürzere Kanten in einem Format dazwischen mit dem ich spielen kann.
00:22:10: Bei Büchern habe ich noch mehrere andere Dimensionen, die da quasi dazukommen Und das macht es zu so Objekten wo ich eigentlich ganz viel dran testen oder spielen kann an anderen Momenten gar nicht haben würde.
00:22:26: Mein Interesse daran, Social Media-Posts zu gestalten ist es schöpft sich relativ schnell auch wenn das wahrscheinlich die höhere Reichweite hat.
00:22:36: Also interessanterweise haben aber auch Posts über Bücher manchmal eine gute Reichweitae, wenn sie gut gemacht sind.
00:22:43: Habt dann manchmal irgendwie Reichweiten von irgendwie Fünfzigtausend Views auf einem Buch wo ich denke okay das ist irgendwie absurd weil Die zweite, eben eine Repräsentation von etwas ist.
00:22:58: Und du weißt das dieses Buch in der fünfhunderter Auflage niemals diese Menge von WeChat und auch da gibt es ja quasi nochmal Verbindungen interessanterweise.
00:23:08: Das heißt irgendwie dass das physische Objekt im digitalen Raum hat dann irgendwie auch noch mal einen Stellenwert interessanter Weise.
00:23:15: also wenn ich das quasi ohne das physische Objekt posten würde, würde es nicht so funktionieren.
00:23:20: Es sagt ja auch wieder was über das Digitale aus.
00:23:23: Das ist da eine Idee von verlangen nach irgendwie Haptik oder verlangen Nach Irgendwie Wahrhaftigkeit gibt?
00:23:31: Mhm!
00:23:31: Es gibt zum Beispiel in der Gestaltung.
00:23:32: Es gibt wahnsinnig viel So-Mockups für alles.
00:23:34: Du kannst irgendwie nimmst, dann machst du einen Poster und dann hast du irgendwie ein fertig vorgefertigtes Mockup und es sieht aus als ob das Ding in der New Yorker U-Bahn hängt.
00:23:44: Und das ist quasi ... Ich glaub, die Idee von Fake Real ist extrem präsent.
00:23:52: Und ich glaube quasi das Buch eigentlich auch so eine interessante ... Das ist eigentlich dadurch, dass es sozusagen so präsend in der Hand ist, hat sich so ne Verhaftigkeit und das ist das was du mit Autorität meinst?
00:24:04: Das ist
00:24:05: da!
00:24:06: Ja sowohl als Objekt als auch inhaltlich.
00:24:10: Also für Künstlerinnen ist es immer noch sehr wichtig ein Katalog zu haben.
00:24:14: Das ist ein Riesenthema, weil das behauptet was und löst es auch ein, nämlich Relevanz.
00:24:20: Ja für AutorInnen ja auch ne?
00:24:22: Also quasi in einem publiziertes Buch ist einfach die Instanz immer noch.
00:24:29: Obwohl ich jetzt sagen könnte vielleicht hat mein PDF was sich irgendwo hinterlegt habe eigentlich eine höhere Reichweite.
00:24:35: interessanterweise
00:24:36: Ja, aber das kann ja jeder.
00:24:39: Und da gibt's halt auch keine Gatekeeper.
00:24:41: Die Gatekeeper-Funktion ist nach wie vor wichtig?
00:24:44: Ich find die auch relevant.
00:24:45: also ich glaube quasi wenn wir uns angucken nehmen wir so einen Bereich wie New Romans oder sowas was gerade total durchkickt und ich sehe wie sehr du das liebst.
00:24:59: Ich bin Fan!
00:25:00: Das sehen wir ja quasi dass diese ökonomischen Methoden dieses Gatekeeping komplett durchbrochen.
00:25:06: was einerseits extrem interessant ist zu sehen, und andererseits auch total scary.
00:25:11: Weil da halt kramveröffentlicht wird, wo ich mir denke ... eine gewisse Form von Regulationen würde dem auch ganz gut
00:25:20: tun!
00:25:22: Apropos Qualität?
00:25:23: Du bist ja, was das Bücher- und Katalogmachen angeht, unterstelle ich dir jetzt ein Nerd.
00:25:28: Was fällt dir denn auf bei anderen Leutebüchern, was mir nicht unbedingt auffallen würde?
00:25:35: oder was stört dich?
00:25:37: Also es gibt einen sehr interessanten Wandel, den ich seit ein paar Jahren sehe.
00:25:41: Das ist quasi das.
00:25:42: die Textgrößen werden unheimlich viel größer.
00:25:47: Die Typografie ändert sich und ich glaube dass das etwas damit zu tun hat, dass sich diese Sekundärverwertung eigentlich wichtiger ist als das Objekt.
00:25:59: Das heißt quasi Schriften auf Covern werden groß weil sie müssen im Netz funktionieren.
00:26:04: Sie müssen quasi irgendwie im Social Media Post funktionieren, ähnlich verhält sich das für Buchseiten.
00:26:10: Das heißt es gibt glaube ich Gestaltungen die sich an Social media bzw.
00:26:13: irgendwie an dieser Sekundärverwertung anschließen.
00:26:15: Darfst du zu was sagen?
00:26:20: Klassischen Verlagswesen ist das auch so, dass die Schriftgrößen größer werden.
00:26:25: Weil man es den Leuten einfacher machen muss am Ball zu bleiben weil die Aufmerksamkeitsspanne sinkt.
00:26:30: Das Problem mit schon existierenden Werken also Neuauflagen von klassischen Werken Die Bücher werden dann durch mal länger.
00:26:36: logischerweise Problemes das Papier sehr teuer mittlerweile d.h.
00:26:40: Du hast dann manchmal aus einem Buch was vor fünfzig Jahren rausgekommen ist müsst du jetzt zwei machen ist leider sehr teurer.
00:26:46: Also das hat dann so folge Probleme die gar nicht so trivial sind.
00:26:52: Ich finde es aber eigentlich ganz interessante Probleme, weil das quasi ein bisschen ... Also ich meine, wenn ich quasi alles auf so einem Telefonformat runter schrumpfen muss?
00:27:02: Weil unsere Aufmerksamkeit, Spannendheit, so sind das eigentlich nach ... Vierzig Worten erst mal auf jeden Fall in den ... einen größeren Absatz braucht, damit ich irgendwie weiter atmen kann.
00:27:14: Nee!
00:27:15: Es ist interessant, es gibt ja auch Studien dazu.
00:27:18: Satzbreiten haben sich verändert.
00:27:20: Die Länge einer Zeile funktioniert bei uns im Gehirn wie eine Speichereinheit.
00:27:26: Ich lese eine Zeile, speichere die ab, springe in die nächste und lese wieder von vorne.
00:27:30: Das ist wirklich wie ich verarbeite Zeile pro Zeile.
00:27:34: deswegen haben wir ja auch in leichter Sprache zum Beispiel diese Umbrüche die halt nicht passieren dürfen weil quasi genau dieser Speicher einheiten sonst durchbrochen werden.
00:27:44: Es lässt sich nachweisen, dass die halt einfach von knapp achtzig Zeichen sind wie jetzt bei so einer Normallänge von fünfzig.
00:27:51: Also das ist eine ganze Menge Unterschiede und es ist auch interessant weil es fühlt sich auch für mich zum Beispiel besser an.
00:27:58: wenn ich jetzt auf deine Mitschriften gucke sehe ich sowas um die neunzigzeichen.
00:28:04: Das heißt ich habe eine sehr lange Zeile.
00:28:06: Du siehst anhand der Zeile wie lang?
00:28:10: Ja ungefähr einschätzen also Plus-minus, ja.
00:28:14: Ich zähle nachher nachher.
00:28:16: Und jetzt quasi ist es aber so, wenn du das setzen würdest, würdest du auch sagen, du würdest da ein gutes Stück weniger Zeilenlänge setzen, wenn Du es fürs Buch nehmen würdest weil Du einfach davon ausgehst dass das einfach schöner lesbar ist.
00:28:28: Mit der kurzen Zeilenlinge und diesen normalen Formaten komme ich natürlich automatisch auf eine größere Schrift oder auf sehr viel Weißraum was wiederum in den klassischen Verlagen dann auch das ist was nicht gewollt wird Weil viel Weissraum bedeutet Viele Papier, viele Ausgabe die ich nicht bedruckt habe.
00:28:46: Also das heißt es sind eigentlich spannende Probleme.
00:28:48: Für dies dich und deinesgleichen dann auf jeden Fall noch braucht.
00:28:53: um mal elegant zur nächsten Frage
00:28:55: überzuleiten.
00:28:57: Wir kommen in der Welt der AI.
00:28:58: Ja
00:28:59: dein Berufsbild gibt's ja so in der Form auch noch nicht so lange.
00:29:04: also dass was du jetzt machst haben früher zehn Personen gemacht.
00:29:08: Das machst du in Personalunion, also so ein Konzept für einen Buch entwickeln, das Setzen ... den Textsetzen die Bilder bearbeiten mehr oder weniger und so weiter und sofort.
00:29:23: glaubst du denn oder beobachtest du?
00:29:26: Oder fürchtest du dass durch die neusten technischen Veränderungen sich des Berufsbildes nochmals verändern
00:29:35: wird?
00:29:35: Oder bist du dir sicher, dass das was Du machst nur Du machen kannst
00:29:40: und nicht
00:29:41: irgendwann eine AI?
00:29:42: Ich
00:29:44: glaube da gibt es sehr viele unterschiedliche Aspekte dazu.
00:29:48: Ich glaube ein Aspekt ist quasi die Welt drum herum sehr ändert gerade und aber auch die Erwartungen und Ansprüche an das was ich lese sich verändert.
00:29:59: also ich merke zum Beispiel über vielen Leuten die Differenzierung zwischen dem, was AI geschrieben und was vielleicht ein Autor geschrieben hat gar nicht mehr so wirklich stattfindet.
00:30:09: Was in vieler Hinsicht auch Schmerzen auslösen kann?
00:30:12: Ja also bei mir große Schmerz.
00:30:14: Und das aber teilweise auch bei Leuten wo ich das nicht erwarten würde ne?
00:30:17: Also es ist jetzt nicht etwas wo ich jetzt quasi irgendwie eine Klassendiskussion dran hängen kann sondern ich sehe dass quasi in ganz ganz unterschiedlichen Situationen dass er unreflektiert mit Informationen und wo die herkommen umgegangen wird.
00:30:33: Das stellt eine Frage an dieses Objekt, aber in zwei Richtungen.
00:30:38: Es stellt eine frage an die Idee warum mache ich jetzt Bücher?
00:30:42: Und gleichzeitig sagt darum mache ich Bücher.
00:30:45: Also das ist quasi immer beides gleichzeitig.
00:30:47: Ich glaube das Gleiche ist es mit diesem Job.
00:30:49: also an die idee des gestaltes quasi ein fragezeichen dran hängen und sagen ja wieso?
00:30:54: ich kann doch irgendwie klart fragen oder chatty oder wie auch immer ich das ganze ding nennen möchte, mach mir mal einen buch.
00:31:01: Und gleichzeitig weiß sich aber auch dass das was da rauskommen kann.
00:31:05: also habe diese versuche mal gemacht für mich.
00:31:07: ne ich hab mal quasi geguckt.
00:31:09: wie weit komme ich das zu beschreiben?
00:31:13: und dadurch dass du quasi ... einen Lernradius hast, der größtenteils auch ein sehr amerikanisch zentriertes Internet ist.
00:31:22: Plus du bist halt auf einem Level von dem, wo es hauptsächlich gelernt hat was eher auf so einer Forumsmeinung... ... slash internet-Diskussion, slash das was halt da ist basiert.
00:31:34: Das was daraus kommen ist der maximale Standard und das siehst Du wiederum auch bei so New Romans Sachen.
00:31:42: interessanterweise also da spiegelt sich das wieder ab ohne dass ich immer wieder auf dieses Thema zurück will.
00:31:49: Da
00:31:49: spiegelt sich genau dieses Mediocre, dieses in der Mitte-Sein sowohl inhaltlich wie auch gestalterisch total ab.
00:32:00: Also die versuchen irgendwie alle, die Versuchen Aufmerksamkeit zu haschen?
00:32:04: Eigentlich ist es sehr durchschnittlich in vielerlei Richtung und das hat was mit diesen Algorithmen zu tun.
00:32:11: Die bilden halt Durchschnitte, die sagen mathematisch gesehen Was ist die höchste Chance von, was das nächste, die nächste Wortzeit oder der nächste Token sein könnte?
00:32:21: Und es ist per Definition mittelmäßig.
00:32:24: Jetzt kannst du das natürlich irgendwie pushen in die eine oder andere Richtung aber ich glaube nicht dass das so schnell irgendwie so viel übernehmen wird wie gerade angepriesen wird weil ich glaub viel von dem was da grade passiert ist auch irgendwie ne Idee vom Marketing.
00:32:39: also heißt ich muss sowohl die Ängste als auch dass Himmel hoch jauchzende quasi fieten die ganze Zeit, um überhaupt diesem ökonomischen Verständnis eigentlich was da gerade passiert.
00:32:53: Dieses ganz Investments, das ganze Geld, was da reinfließt, um dem herzuwerden.
00:32:57: Um dem überhaupt irgendwie ... Wenn es da keine Ängste gäbe oder keine großen Erwartungshaltung, dann würde das sofort in sich zusammenfallen müssen.
00:33:06: Das heißt, das ist auch Teil von diesem System, was gerade passiert, dass wir immer wieder einen Abgesangen auf Arbeitskulturen, komplette Branchen.
00:33:17: Komplette Bewegungen, alles Mögliche hören müssen ... Klassische
00:33:19: Ausbildungen?
00:33:21: Ja!
00:33:21: Ich hätte erwartet, dass deine Antwort sehr viel klarer und kategorischer ausfällt.
00:33:26: Und du einfach sagst das was ich da mache die Entscheidung ist kann keine ...
00:33:31: Nee, das kann ich ja so nicht sagen.
00:33:34: Das hat ihr was damit zu tun wie meine Umgebung ist.
00:33:36: natürlich könnte ich mich jetzt selbst überhöhen und sagen quasi naja also das was ICH kann das kann eh kein anderer.
00:33:42: Die Frage ist ja quasi, ob das Geweut oder gebraucht wird noch.
00:33:45: Weißt du?
00:33:46: Ob da sich nicht eigentlich komplette Umgebungen ändern.
00:33:49: Und ich glaube der Schiff in der Umgebung ist viel stärker durch AI als an anderen Stellen.
00:33:55: Ich weiß, dass du auch in Shanghai warst neulich.
00:33:58: Nicht zum ersten Mal.
00:34:00: Was zieht dich denn dorthin?
00:34:02: Was findest du da und was suchst du da?
00:34:05: Nee, ich bin eigentlich immer zum Unterrichten.
00:34:09: Das heißt, ich bin in Schulen für Vorträge und Workshops und ähnliches.
00:34:14: D.h.,
00:34:14: darüber kommt auch das Interesse.
00:34:16: Ich war das erste Mal länger ... ... im Jahr ... ... und war von zwei Sachen relativ überrascht einerseits von der Gastfreundlichkeit die mich fast erschlagen hat also wo man eher gucken musste dass man überhaupt meinen Abend versichert und nicht irgendwie quasi eigentlich permanent mit Leuten sich irgendwo trifft und dann die Offenheit, die an vielen Stellen mir entgegentrat.
00:34:43: Weil ich das quasi so nicht erwartet hätte.
00:34:46: Ich hab irgendwie was Verschlosseneres erwartet.
00:34:49: Und dazu quasi ... Das merkt man auch allein jetzt in diesen drei Jahren, in denen ich da quasi mehr und mehr bin, wie schnell sich da teilweise gerade Sachen entwickeln.
00:35:00: Also wie seamless Sachen ineinandergreifen, wie schnell irgendwie interagiert wird miteinander Und es ist ein ziemlicher Kontrast zu dem, was man in Europa gerade sieht.
00:35:10: Ich finde dieses sich bewegen zwischen diesen beiden Welten sehr interessant weil mir das über beide Seiten eigentlich sehr viel sagt.
00:35:17: Das sagt mir auch sehr viel über Europa gerade aus.
00:35:20: und zum Beispiel ums jetzt wieder auf die Gestaltung zu bringen ich glaube China ist momentan... ...und dass hat wiederum etwas mit auch mit den Geldern zu tun die da vorhanden sind.
00:35:31: also ich glaube es gibt grad wenig Bereiche auf der Welt wo soviel gestaltet wird wie dort.
00:35:39: Gleichzeitig bewegt sich das extrem weg von... Es gab immer so eine Art westlichen Hero, also es gab quasi sowas Hochgehobenes irgendwie okay, dass ist so ne Idee von.
00:35:50: da wollen wir hin, so wollen wir sein und das emanzipiert sich auf ne sehr interessante Art und Weise.
00:35:56: Gleichzeitig gibt's quasi in den ganzen asiatischen Bereich eigentlich irgendwie sehr traditionelle Gestaltung was viel auch mit der Geschichte der Industrialisierung zu tun hat, also wie schnell an welchen Orten welche Techniken verfügbar waren.
00:36:09: Dass sich im Chinesischen zum Beispiel.
00:36:11: bei uns war die Schreibmaschine eine wahnsinnige Geschwindigkeitsbereicherung.
00:36:16: Also wir konnten quasi von der Feder zur Schreib Maschine zum mechanisierten schreiben.
00:36:21: das war ein Gewinn.
00:36:22: Die chinesische Schreib-Maschine Das sogenannte Double Pitchin ist irgendwie ich glaube sechstausend Charakter geordnet nach Nummern, wo ich die einzelnen Nummer für diesen sechstausend Stück wissen muss.
00:36:36: Dann sucht sich das raus, drückt es ab und steckt es wieder zurück.
00:36:40: Das heißt mein Gedankenaufwand und die Geschwindigkeit an dieser Maschine sind eine ganz andere.
00:36:45: Es
00:36:46: war nicht unbedingt eine
00:36:47: Erleichterung?
00:36:47: Genau, es war quasi machinisiert aber es war nicht schneller unbedingt.
00:36:51: Das heisst du siehst in China teilweise in den Siebziger-Achtzigerjahren sehr viel Überhand.
00:36:57: Und eigentlich jetzt siehst du mit der Technologie, also über das Pingehen und über gewisse Ideen von wie schnell du schreiben kannst.
00:37:04: Siehst Du wie unheimlich schnell sie werden?
00:37:07: Du sitzt in Autos wo du quasi mit nach Hand gehst du vor dem Bildschirm die Zeichen ein tippst... ...und es dich dann irgendwie an den Ort fährt wo du halt hin musst.
00:37:16: Das ist halt ein Gewinn In der Geschwindigkeit.
00:37:20: Der ist da glaube ich einfach nochmal extremer!
00:37:22: Das ist relativ faszinierend.
00:37:24: Seit gleich siehst du aber auch das auf einer buchgestalterischen Ebene.
00:37:29: Und ich war da jetzt immer wieder in so unterschiedlichen Juries für unterschiedliche Wettbewerbe, dass da extrem viel passiert und quasi darüber, dass Handarbeit noch ein gutes Stück günstiger ist als wahnsinnig experimentelles.
00:37:41: Du siehst diese zwei Bewegungen.
00:37:43: Du hast einenseits sehr traditionelle, dann hast du die Bücher... Und dann hast du gleichzeitig aber auch so eine Idee von sich freispielenden Gestalterpositionen.
00:37:51: Da sind echt tolle Leute und ich seh kannte die alle vorher nicht.
00:37:54: Wenn Du dann zurück kommst, hat es einen Einfluss auf Deine Arbeit was Du da beobachtest?
00:38:01: Oder ist die Übersetzung nicht so eins
00:38:04: zu eins?
00:38:05: Ja immer!
00:38:06: Also ich glaube das Rückkommen ist der Kulturschock oder?
00:38:09: Aber das ist ja bei allem so.
00:38:13: In dem Moment, wo ich nach Hause komme und quasi das, was ich gesehen habe mit dem Abgleiche, was meine Realität ist ... In den Moment fängt die Reflektion an.
00:38:22: Die fängt nicht beim Reisen in dem wirklichen Sinne an.
00:38:25: Da bin ich nämlich auf.
00:38:26: Und dann fange ich an, irgendwie in den Monaten danach immer zu reflektieren.
00:38:31: Mein Verständnis zur Weißraum ändert sich gerade extrem?
00:38:34: Was interessant ist...
00:38:36: Wirst du mehr oder weniger?
00:38:38: Oder...?
00:38:38: Mehr oder weniger Weißraum?
00:38:41: Weißrahmen wird gerade bei mir mehr.
00:38:43: Ich hatte irgendwie so eine Tendenz jahrelang sehr viel, sehr kompakt und zuzumachen.
00:38:47: Und das verändert sich grade.
00:38:49: Das
00:38:50: hat
00:38:51: viel mit dem zu tun was ich da sehe.
00:38:53: Für mich ist es schön ... Aber das hat jetzt nicht mal irgendwas mit China zu tun.
00:38:57: Es hat etwas mit Reisen an sich zu tun, ist glaube ich das Abgleichen von dem... Was ich woanders sehe in anderen Kulturbereichen, mit dem wie mein eigener Kulturbereich eigentlich ist und dann aber auch einen Feststellen darüber was vielleicht in meinem Kulturbereich nicht funktioniert.
00:39:13: Und was vielleicht im anderen Kulturbereich für mich nicht funktioniert.
00:39:16: und ich glaube das ist einfach so ein... Also nach dieser ersten Reise, nach der ersten langen Schiene habe ich für mich beschlossen dass ich anders mit Menschen die mich besuchen umgehen möchte weil quasi die Art und Weise wie mich dort Leute empfangen haben und mir Sachen gemacht haben Das war so herzlich und das war so offen.
00:39:36: Es war so ein Ausbreit von, hey, wenn du irgendwas brauchst ... Wir sind hier, wir helfen dir, du bist nicht lost, kannst alles
00:39:44: machen.".
00:39:45: Sagt Bescheid.
00:39:47: Und es ist zum Beispiel was ich versucht hab zu übernehmen auf Leute, die jetzt quasi nach Berlin kommen für mich.
00:39:52: Wo ich sage okay da gibt's Kontakte.
00:39:54: Wo denke ich, dass das z.B.
00:39:55: ein schöner Abgleich ist.
00:39:57: Einfach weil ... Ich mein wissen selbst der Gemeinde Berliner bisschen grummlich und ein bisschen geschlossen.
00:40:06: Und ich glaube aber einfach, dass das quasi ist was man auch von außen lernen kann, dass es vielleicht gar nicht ... Dass man diesen Schutz, den vermeintlichen gar nicht unbedingt braucht, sondern dass es überhaupt nichts tut.
00:40:16: wenn ich offen oder zu anderen Leuten bin.
00:40:19: Ich frag mich halt manchmal immer so ein bisschen warum Menschen an manchen Orten immer so sind wie sie sind.
00:40:25: Weil
00:40:25: alle anderen so sind?
00:40:27: Nee ja!
00:40:28: Oder ist das die Architektur?
00:40:29: Achso, oder
00:40:30: ist es Typographie?
00:40:32: Typografie?
00:40:32: Topographie vielleicht eher.
00:40:34: Okay, einigen wir uns auf Topografie!
00:40:36: Vielen vielen Dank.
00:40:37: Gerne gerne.
00:40:40: Die Ausstellung Josef Kaiser bauen für die DDR ist ab Ende August XXVI in der berlinischen Galerie zu sehen.
00:40:47: Zeitgleich erscheint der Katalog.
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