Hey Tobias Zielony, wie fotografiert man heute?

Shownotes

In dieser Folge nimmt uns Fotograf und Videokünstler Tobias Zielony mit auf einen Streifzug durch einige seiner Fotoserien, die häufig junge Menschen an urbanen und sozialen Rändern zeigen – darunter auch die Serie ›Trona‹ (2008), die Teil unserer Sammlung ist. Es geht außerdem um: Fotografieren in Zeiten von Digitalität, Tobias’ Rolle als Professor an der HFBK in Hamburg und Fragen nach Repräsentation und Macht in der Fotografie.

Mehr über Tobias erfahren: https://www.instagram.com/tobiaszielony/?hl=de

Website der Berlinischen Galerie: https://berlinischegalerie.de/

Folge der Berlinischen Galerie auf Instagram

Produktion: Studio Soma

Coverfoto: Halina Kliem

Transkript anzeigen

00:00:01: Also ich glaube radikal geändert hat sich das Hinterfragen der Fotografie, Bezug auf Repräsentation.

00:00:07: Wer bin ich und was und wen kann ich überhaupt fotografieren?

00:00:11: Aus welcher Position fotografiere

00:00:13: ich?".

00:00:14: Herzlich willkommen zu Kunst in Berlin – ein Podcast der berlinischen Galerie!

00:00:18: Ich bin Anne Waag, Journalistin und Autorin.

00:00:21: In diesem Podcast spreche ich mit Akteurinnen der Kunstwelt.

00:00:25: Mich interessiert, was macht ihre Arbeit aus?

00:00:31: Herzlich willkommen, Tobias Celoni.

00:00:33: Schön, dass du da bist!

00:00:34: Hallo?

00:00:35: Du bist Fotograf, Videokünstler und Professor für Fotografie an der HFBK in Hamburg.

00:00:41: In deiner Arbeit beschäftigst du dich seit jetzt auch schon fünfundzwanzig Jahren...

00:00:47: Ja?!

00:00:48: ...seit dem Studium in Newport-Wales beziehungsweise an der HAGB in Leipzig mit ich habe es mal genannt prekären Gemeinschaften oft junger Menschen in vorstädtischen Milieus.

00:01:02: Ja, oder im Zentrum?

00:01:04: Oder im Zentrum!

00:01:06: In Milieuse überall auf der Welt.

00:01:08: Zwei Tausend Fünfzehn gehörtest du zu denjenigen Künstlerinnen die den deutschen Pavillon der Venedig-Bienale bespielt haben.

00:01:16: Vorweggeschickt vielleicht ein Transparenzhinweis falls es jemandem beim Zuhören so vorkommt als würden Tobias und ich uns schon lange kennen.

00:01:25: das stimmt Wir haben uns das erste Mal, zwei Tausend Dreizehn getroffen.

00:01:30: Als ich dich in einem Text porträtiert habe, anlässt sich deiner Ausstellung Jenny Jenny in der Berlinischen Galerie die damals von jungen Frauen handelte, von denen einige ihr Geld mit Sexarbeit verdienten.

00:01:44: Einige deine arbeiten namentlich die Fotoserie Troner Ampit of America sind Teil der Sammlung der BG.

00:01:52: Vielleicht sprechen wir über die Serie später noch und bis vor kurzem war ein Foto aus der Sammlung das Coverbild dieses Podcasts.

00:02:01: Lange Vorrede, kurze erste Frage an dich.

00:02:06: Wohin hatte ich deine jüngste berufliche Reise geführt?

00:02:09: Und aus welchem Anlass?

00:02:11: Ja, ich bin gestern aus Wuppertal zurückgekommen.

00:02:14: Da ist noch nicht so ganz klar ob es eine beruflich Reise war... Geburtstag meiner Mutter.

00:02:19: Du kommst, du stammest

00:02:21: ... Komm daher!

00:02:21: Aber ich hab wirklich große Interesse da auch in der Arbeit im Wuppertal.

00:02:25: Das habe ich mich gefragt bei der Recherche.

00:02:27: Bei allem einen Orten die du thematisiert hast, du hast noch nichts gemacht was?

00:02:34: Im Wuppertaal.

00:02:35: Ich hatte natürlich schon viele Fotos da gemacht und einige waren jetzt auch in einer Ausstellung im Volkwangenmuseum zu sehen, aber so eine richtige Eigenständige Arbeit habe ich noch nicht da gemacht.

00:02:47: Du hast dich noch nicht mit deinen eigenen Wurz in deiner Herkunft, deine Heimat gegend beschäftigt?

00:02:52: Bisschen ... Ich hab eine Arbeit für die Ruhrtrainale gemacht.

00:02:57: Da ging es ein bisschen um meinen Großvater, der Berker Walter war im Gelsenkirchen.

00:03:03: Aber jetzt nicht so... Also vielleicht ja wird das jetzt mal Zeit.

00:03:08: Eine Reise davor hat dich nach Warschau geführt.

00:03:12: Was war da der Anlass?

00:03:14: Ja, ich werde im November eine Ausstellung in der Galerietzachente einen Warschau haben.

00:03:19: In dem Museum.

00:03:20: Da fahre ich jetzt immer wieder hin auch um die Ausstellung

00:03:23: vorzubereiten.".

00:03:24: Die wird heißen How to See a Dark?

00:03:27: Höchstwahrscheinlich!

00:03:28: Die Ausstellung ist im November und das ist ein schöner Titel.

00:03:34: Das wird sicherlich so bleiben aber man weiß ja nie.

00:03:36: mit zur Ausstellung.

00:03:38: Der Titel Ja ist schön Emblematisch?

00:03:45: Ja, auf jeden Fall.

00:03:46: Es stammt ein bisschen aus der Arbeit, die ich letztes Jahr in Litauen gemacht habe über die Grenze zwischen Litauen und Belarus wo ich gefilmt habe mit einer Kamera im absolut Dunkeln.

00:03:59: Die Kamera ist auf der höchsten Empfindlichkeitsstufe Und trotzdem kann man eigentlich fast nicht sehen.

00:04:05: Beziehungsweise die Kamera fängt an zu fantasieren.

00:04:08: Man sieht so... digitale Artefakte im Intefekt.

00:04:12: Könnte man sagen, Halluzinieren?

00:04:14: Halluzinnieren.

00:04:15: Die Halluzination kommen von den Algorithmen, die in der Kamera drinstecken.

00:04:21: Es ist ein bisschen wie die Kamera sieht wenn sie nichts sieht oder natürlich auch was wir sehen, wenn wir nicht sehen.

00:04:27: an dem Titel.

00:04:28: aber auch so ein bisschen vielleicht.

00:04:29: sowas hoff ich mal so hoffnungsvolles dass irgendwie in diesen dunklen Zeiten irgendwie wie man lernen kann da trotzdem etwas zu

00:04:38: sehen.

00:04:39: Die Frage, was wir sehen und wissen können.

00:04:45: Was eine Kamera sehen kann ... die beschäftigt dich ja schon länger?

00:04:50: Gar nicht erkenntnistheoretisch.

00:04:52: Also, was kann der Mensch wissen?

00:04:55: Sondern ganz buchstäblich eigentlich.

00:04:58: Kannst du das mal ausführen vielleicht anhand einer

00:05:06: jüngeren Arbeit?

00:05:08: Ja!

00:05:10: Ich habe ja, also fast alle meine Arbeiten sind ja im Dunkeln entstanden.

00:05:15: Jetzt Drona ist eine große Ausnahme.

00:05:19: Die Dunkelheit ist so ein Ort weiß ich nicht aber einen Zustand der mich schon seit dem Studium eigentlich interessiert und natürlich früher war es halt als Fotograf auch total schwierig in dunklen Bilder zu machen.

00:05:31: Da gab's einfach diese Begrenzung, Empfindlichkeit des Films Aber da gab's Dinge, die konnte man nur sehr schlecht fotografieren.

00:05:39: Oder nur mit einem Blitz oder einen Stativ.

00:05:42: Das hat sich jetzt natürlich verändert und wird es in der neuen Arbeit.

00:05:45: Bin ich halt an diesem Grenzbereich eigentlich von der digitalen Kamera?

00:05:50: Aber eine andere Arbeit, die sich damit beschäftigt hat war die Arbeit Electricity After Emitters, die ich zwei vierundzwanzig gemacht habe im Moldau Und da geht es... Also der Ausgangspunkt waren diese Stromausfälle, die es da gibt als Auswirkung von dem Krieg in der Ukraine, weil das Moldauische Strom- und Energienetz sozusagen immer noch verbunden ist mit der Ukraine.

00:06:16: Und sehr stark davon betroffen ist wenn in der Ukraine Stromausfälle sind bis hin zu einer eigenen Energiekrise die es da jetzt gibt.

00:06:25: Das ist alles noch viel komplizierter mit diesem Gebiet Transnistrien und so.

00:06:29: Ich habe das ein bisschen runtergebrochen auf die Frage wie kann man den Rave machen?

00:06:34: wenn es keinen Strom gibt.

00:06:35: Die einfache Antwort ist ein Generator, aber das war so'n bisschen der Ausgangspunkt... Aber dann habe ich halt so weiter überlegt wie kann man fotografieren, wenn's kein Strom gibt?

00:06:44: Bisschen zu fragen Wie kann man sehen?

00:06:46: also da ging es so ein bisschen los mit dieser Fragestellung und im Titel steckt schon dieser Begriff After-Images Nachbilder.

00:06:54: Und das sind die Bilder, die wir sehen, wenn mir die Augen schließen Das sind zum einen die Nachbildern von dem was wir vorher vielleicht gesehen haben Aber im Endeffekt sehen wir auch so ein bisschen, wie unsere Augen funktionieren.

00:07:04: Also sowohl physiologisch als auch was unser Gehirn daraus macht.

00:07:09: Und was sieht man auf den Bildern?

00:07:13: Auf den Bilderen sieht man junge Leute zum Teil bei so'nen Partys beziehungsweise bei einem Rave.

00:07:20: aber man sieht z.B.

00:07:21: eine Verteilerstation nachts Man sieht das Büro von Luke Oil Ölfirma, die bis vor Kurzem in Moldau noch aktiv war.

00:07:34: Und gleichzeitig gibt es eine Textprojektion und so ein Art dokumentarisch-fictionalen Text der so essaymäßig zu den Bildern steht.

00:07:43: Das heißt, Luke Oil taucht wieder auf diese Stromverteilerstation, taucht auch wieder auf in dem Text und das bezieht sich aufeinander.

00:07:52: Man sieht mehr jetzt als nur in einer Party.

00:07:55: Du hast eben erwähnt, dass ist auch Textpassagen?

00:08:00: Arbeitest seit einer Geraumzeit mit Zitaten, deiner Protagonistinnen.

00:08:07: Teilweise auch mit eigenen Überlegungen.

00:08:09: Wie kam das zustande?

00:08:10: Hast du irgendwann den Eindruck gehabt, dass was du sagen kannst an Anführungszeichen?

00:08:18: Reicht denn nicht?

00:08:18: oder ist es zu sehr deine Sicht und möchtest gerne diejenigen, die du fotografierst selbst zu Wort kommen lassen?

00:08:25: Ja ich glaube, das war ein großer Faktor.

00:08:29: In relativ frühen Projekten kamen immer wieder so Interviews vor oder Sachen, die die Leute selber sagen.

00:08:36: Aber auch bei Troner und später habe ich eher mit zu Collagen gearbeitet also mit so Sequenzen von dem was die Leute gesagt haben oder mal gefunden Texte aus der Recherche und jetzt immer mehr auch was ich dann selber schreibe bis hin zur fiktiven Erzählerinfigur.

00:08:56: Und ich glaube, es sind tatsächlich zwei Überlegungen.

00:08:58: Das eine was du gesagt hast das irgendwie auch zu hören was die Leute erzählen und was sie mir auch immer wieder erzählt haben, dass was irgendwie an den Bildern drin ist aber trotzdem eigentlich auch ungehört bleibt sonst... ...und auf der anderen Seite auch, weiß nicht ob's so diese Begrenztheiter der Fotografie spürt man halt oder spüre ich halt immer mehr?

00:09:20: Dass so ne Sehnsucht nachkontextualisieren, nach anderen Erzählstrengen was über die Vergangenheit aussagen.

00:09:28: Da ist auch ein bisschen meine Langeweile gewesen mit der Fotografie.

00:09:30: oder dass es mir Spaß macht zu schreiben?

00:09:33: Du schreibst schon erwähnt, das machst du auch schon lange Fotografin im engeren Sinne, sondern bewegte Bilder, Fotoanimationen.

00:09:45: Das klingt danach als würdest du gerne diese Themen ... Oder du versuchst der Komplexität der Themen in der Welt letztendlich gerecht zu werden.

00:09:55: Ja, ich glaube schon dass es gibt jetzt eine Arbeit auch aus Neapel.

00:10:00: das ist eine Animation so ne Stop Motion aus Einzelbildern tausenden von Einzelbildern digital fotografierten die aber so ruckelig laufen wie ich das ja schon öfter gemacht habe wo man so ein bisschen die Konstruiertheit des Bewegtbilds immer wieder spürt.

00:10:16: Das ist nicht wie im Video oder in dem Film so magisch einfach abläuft und man denkt, das ist ja wie die... So ist die Welt.

00:10:25: Und dazwischen geschnitten habe ich die analogen Bilder, die ich da fotografiert hab, die wie eine Art Störfaktor ganz kurz eingeblendet sind.

00:10:34: Da geht es auf der einen Seite um dieses Man kann tausende Bilder machen aber man wird dem Thema oder der Komplexität der Welt eh nie gerecht.

00:10:43: Also man läuft eigentlich immer hinterher und gleichzeitig gibt's der Einzelbilder in so einer Ruhe, in so eine Festigkeit auch in der Materialität zu sagen ich das ist jetzt alles darin so gebannt die Welt.

00:11:00: Was ja auch das Spannende eigentlich an der Fotografie ist.

00:11:02: aber irgendwie geht es darum diese Beziehung zwischen diesen beiden Dingen zu untersuchen

00:11:07: sag' ich.

00:11:07: Ja was muss denn?

00:11:10: du hast jetzt eine Apel erwähnt?

00:11:13: Oder die Arbeit?

00:11:14: daran hast du vor längerer Zeit angefangen.

00:11:17: Da ging es vielleicht kurz zum Kontext um eine Utopie, die sich in eine Dystopie verwandelt hat ein großes Wohngebäude und mehrteiliges Inniapel.

00:11:28: Das eine ist das Haus der Hafenarbeiter im Hafen der Gewerkschaften was aber leer steht im Endeffekt und das andere so eine tatsächlich utopische futuristische Wohnsiedlung.

00:11:41: Aber Wohl auch wiederum eine der Wohnungen vermietet wurde von der Familie.

00:11:47: Die Wohnung gehören den Leuten mehr oder weniger da, ne?

00:11:49: Aber die wurde vermietet als Filmset von der Serie Gomorra aus Staffel fünf oder sowas.

00:11:55: Was irgendwie so lustig ist.

00:11:56: Sechzehn Jahre später wird auch so Neapel popkulturell aufgearbeitet und was ja auch eigentlich ... Das ist, was mich interessiert.

00:12:06: Von Anfang an wie sich sozusagen die Sehnsucht von damals noch so jungen Leuten Teil zu sein von so einer Popkultur.

00:12:13: Daran teilzunehmen und so weiter, bildhaft zu werden was dann irgendwie durchs Internet nicht durchs internet durch soziale Netzwerke deutlich vereinfacht wurde.

00:12:26: Könnte

00:12:26: man schon

00:12:27: sagen.

00:12:27: Durchs Internet genau.

00:12:28: Was muss denn ein Ort eine Geschichte ein Thema haben Dass du dich dafür interessierst dass du sagst Ich möchte darüber eine Arbeit machen, wie auch immer.

00:12:38: Also das hat sich natürlich ein bisschen verändert.

00:12:41: Ganz früher als ich noch studiert habe konnte es mir nicht komplett aussehen.

00:12:46: Ich konnte jetzt nicht sagen, ich fahre mal eben nach in die USA weil ich auch nie so viel Geld hatte aber im Endeffekt konnte ich mir ja die Themen selber suchen.

00:12:55: und dann kommt man so ein bisschen nach dem Studium mit Ausstellungen in so einen Sog rein dass man auch ah ich weiß nächstes Jahr hab' ich ne Ausstellung in Polen.

00:13:04: Was ist das neue Projekt?

00:13:05: Laden die mich ein, da was zu machen.

00:13:07: Also man kommt so'n bisschen in so ne Logik rein... Am Anfang war es auch für mich nach dieser Beobachtung, dass ich diese Phänomene, die mich interessiert haben zumindest in Europa eigentlich fast überall fotografieren kann.

00:13:23: Kannst du das auf einen Wort oder eine geworte

00:13:25: bringen, was sind die Phänomen?

00:13:26: Naja, aber es war so n bisschen diese Idee von damals was so rumhängen, rumstehenden nicht zu tun haben Drogginganzüge anhaben und auf einmal zweitausend zwei tausend ein zwei drei vier hab ich gesehen.

00:13:38: okay die leute tragen in halle die gleichen drogginganzüge wie in bristol.

00:13:42: warum machen die gleichen weiß ich nicht posen oder ne apple?

00:13:47: wo kommt es her?

00:13:48: dann war das fast auch so ein bisschen ok wenn man kann.

00:13:50: nicht dass auch einen wuppertal machen hätte ich machen können.

00:13:54: also diese idees gibt diese verbindung die aber noch nicht so klar ist.

00:13:58: Ich glaube durch das Internet, aber vor allem durch soziale Netzwerke ist es uns klarer geworden wie sehr wir auch verbunden sind.

00:14:04: über diesen Spiegel, ja so einen medialen Spiegeln natürlich auf Werbung und damals war's für mich noch mehr auch Kino oder damals gab's noch Musikvideos gibt's wahrscheinlich heute wieder oder immer noch?

00:14:16: Aber die hatten vielleicht eine größere Bedeutung in der Identitätsfindung.

00:14:23: Suche da war ein bisschen die Idee man könnte eigentlich fast überall hinfahren.

00:14:27: Das würde ich heute natürlich nicht mehr so sagen.

00:14:30: Ich glaube später hat sich das dann so da hin entwickelt, dass was ich interessant finde sind Orte wo man auf der einen Seite sehr lokal mit Leuten rede und arbeite wie zum Beispiel in Moldau, was aber eigentlich so geopolitisch gleichzeitig verbunden ist mit viel größeren Themen.

00:14:53: Vielleicht hab ich das früher auch schon so gesehen, im Sinne von Zusammenbruch der klassischen Industrien.

00:15:01: Was kommt danach?

00:15:02: Ende der Working-Class Identity ... was bedeutet das jetzt vor Ort in meiner Siedlung?

00:15:08: Vielleicht kann man das so sagen.

00:15:10: Genau diese Idee, okay beim Club fällt ja Strom aus, was machen wir

00:15:15: jetzt?

00:15:15: Also du hast, du recherchierst dieses Thema, du hast eine Ahnung da, das könnte interessant sein.

00:15:20: Wie findest du dann Kontakt zu den Leuten vor Ort, die du ja potenziell fotografieren möchtest.

00:15:28: Das heißt im Umkehrschluss müssen sie sich breite erklären und grundsätzlich Lust haben.

00:15:33: Ich frag das auch vielleicht ein kleiner zum Hintergrund ... Ich kannte Trona, die Serie kurz nachdem sie herausgekommen ist.

00:15:44: Habe ich dir gesehen?

00:15:45: Dann war ich auf einem World Trip in Kalifornien.

00:15:49: und bin an diesem Ort oder nicht so zufällig vorbeigekommen, dann da durchgefahren mit dem Auto.

00:15:54: Das sah exakt aus wie ich das auf deinen Fotos gesehen hatte.

00:15:58: Desperatverlassen, wüstenhaft ausgeweitet Autos... Dazu muss man sagen, Journal ist eine Stadt in der kalifornischen Wüste die durch die Deindustrialisierung und Armut damals schon ein großes Drogenprobleme hatte namentlich Crystal Meth.

00:16:14: Was ich nicht gesehen habe waren Menschen.

00:16:17: Dann eben die Frage okay du kommst dahin?

00:16:20: Da ist niemand.

00:16:22: Da ist wahrscheinlich auch kein Deiner, wo du dich reinsetzen kannst und sagen kannst Hallo ich bin Tobias aus Deutschland.

00:16:28: kann ich euch bitte fotografieren?

00:16:30: Also wie gehst du dann vor?

00:16:32: Hast Du Kontaktpersonen vor Ort?

00:16:34: Bringst du sehr viel Zeit mit?

00:16:36: Wie

00:16:38: schaffst du Vertrauen?

00:16:39: Das hat sie natürlich auch verändert.

00:16:40: aber in Drona ist es tatsächlich so weil wenn's heiß ist dass da einfach niemand auf der Straße ist.

00:16:47: Es gibt eine Bibliothek, die klimatisiert ist.

00:16:50: Da hab ich mich auch öfter aufgehalten ... Okay!

00:16:52: ... diese Jugendlichen, die ich dann da am Ende fotografiert habe.

00:16:56: Das waren schon die Einzigen, die man auch mal noch so draußen rumlaufen sieht, weil sie auch nichts zu tun haben.

00:17:01: Ich hatte so ein bisschen Glück.

00:17:02: Da haben mir Leute von erzählt und ich bin dahin gefahren alleine.

00:17:06: Und da war gerade so'n Filmdreh.

00:17:08: Deshalb waren halt ziemlich viele Leute mit so einem Film LKW... ...und auch einfach die Jungleute waren alle irgendwie, haben sich das angeguckt.

00:17:17: Da war schon viel los.

00:17:18: Und dann bist du ein bisschen auf dem Ticket ... Ich

00:17:20: weiß nicht, ich glaube nicht, dass die gedacht haben, ich gehöre zu dem Film aber da konnte ich ja Leute ansprechen und dann beim nächsten Mal kannte ich ja dann schon Leute.

00:17:28: Also Joan Aber ist jetzt schon eine extreme Herausforderung.

00:17:31: Ich war dann auch nicht mehr da.

00:17:34: in diesem Jahr war ich natürlich öfter.

00:17:37: Aber es sind immer wieder Leute wie Du mir erzählen, dass sie durchgefahren sind.

00:17:40: Die meisten haben nicht angehalten.

00:17:43: Es lädt nicht besonders einen anzuhalten also... Aber natürlich, da schließt sich auch dann eine Frage an.

00:17:50: Die Bilder, die man sieht sind auch schon erwartet, weil man hat sie bei dir gesehen

00:17:54: etc.,

00:17:55: Pepe?

00:17:56: Ich würde jetzt glaube ich mache es nicht so, dass ich noch Leute auf der Straße anspreche oder... Also das ist selten geworden.

00:18:03: also meistens gibt's irgendeine Form von.

00:18:08: in Kishinau und Molda war ich mit einer Künstlerin, die ich da kennengelernt habe und wir in einen Club-Bar gegangen haben wie Leute.

00:18:15: Sie hat mir die nicht vorgestellt.

00:18:18: Aber da habe ich Leute da angesprochen, aber das war jetzt nicht zufällig auf der Straße.

00:18:25: Leute angesprochen so.

00:18:27: Bis hin halt ... In Neapel haben wir auch Leute geholfen mit dem neuen Projekt.

00:18:33: Auch mehr geholften haben Zugang zu diesem Gebäude im Hafen zu bekommen.

00:18:37: Früher bin ich schon immer wirklich alleine irgendwo hingefahren Meist mal noch mit so einer Mappe in der Hand, mit ein paar Fotos um die Leute zu zeigen.

00:18:44: Was ich überhaupt mache ist natürlich auch leichter geworden.

00:18:48: Da kann ich auf meinem Handy Fotos zeigen oder Instagram oder so.

00:18:52: Und es ist leichter worden Menschen davon zu überzeugen sich fotografieren zu lassen?

00:18:58: Ich würde sagen auf jeden Fall

00:18:59: ja.

00:19:00: Weil ...

00:19:01: weil das so nichts Besonderes mehr ist und weil... Ich glaube auf der einen Seite haben die Menschen vielmehr Erfahrungen damit was Bilder bedeuten und auch Grunde ja oder nein zu sagen.

00:19:15: Und auch wissen, was mit Bildern passieren kann auf der anderen Seite aber vielleicht ein bisschen weniger Angst vor dieser Unbekannten.

00:19:20: Also früher haben die Leute gedacht dann ich bin vielleicht Journalist oder Polizist.

00:19:24: Das war auch schwer zu widerlegen wenn man Student ist ne?

00:19:30: Und heute...ja dann können mich ja googeln oder weiß ich nicht was auf meinem Instagram mir folgen und erst mal gucken Und ich kann denen direkt zeigen, was für Bilder ich mache.

00:19:40: Man könnte sich überlegen, das gefällt mir oder nicht?

00:19:43: Früher mit diesen Analogenbildern hat man ja erst mal ein Bild gemacht und da war gar nichts.

00:19:47: Da musste immer noch mal wiederkommen.

00:19:50: Das war schon ein großer Unterschied.

00:19:51: Aber ich glaube es hat eher etwas damit zu tun dass die Leute ständig selber so viele Bilder machen auch von sich selbst... ...und eigentlich mehr wissen, was es bedeutet.

00:20:03: Und bedeutet das auch, dass du andere Bilder, andere Posen bekommst.

00:20:10: Weil die Leute sich so viel klarer darüber sind was es bedeutet sich selbst zu inszenieren.

00:20:16: oder hat sich einfach nur das Medium?

00:20:18: Ich würde schon sagen dass sich das verändert hat auf jeden Fall und es gibt eine Arbeit von mir.

00:20:25: Das ist so eine Art digitale Diashow wo ich Archivbilder benutze Und das endet für mich zeitlich in dem Moment wo das erste Handy auftaucht mit einer Kamera, wo so ein junger Mann hier in Kreuzberg einen anderen fotografiert.

00:20:41: Mit einem kleinen Klapp-Handy.

00:20:44: Irgendwann Mitte der Nullerjahre

00:20:46: wird das ... Ja, sowas wird es gewesen sein, zwei, sechs, zwei sieben.

00:20:50: Genau, wo auf einmal auch ganz viele neue Dinge passieren.

00:20:56: Die Pose ist vielleicht noch aus dieser Zeit davor, aber diese Abgleichen sind wir ja alle gewöhnt jetzt.

00:21:03: Das führt zu einer anderen Frage.

00:21:05: Du bist, wie erwähnt Professor in Hamburg da an der Universität und hast also mit jungen Menschen zu tun die Fotografinnen und Fotografen werden wollen?

00:21:17: Mit welchen Fragen hast du denn da in dem Kontext zu tun, die sich vielleicht noch nicht gestellt haben in deiner Zeit als Student?

00:21:25: oder welche Fragen stellen sich heute, die vorher keine Rolle gespielt

00:21:29: haben?

00:21:31: Also ... Erstmal muss man sagen, dass die großen Mehrheit Künstler innen sind und werden wollen.

00:21:38: Also diese Berufszielfotografin ist irgendwie nicht mehr so besonders.

00:21:43: Existenz zumindest nicht bei uns an der Kunsthochschule.

00:21:45: Vielleicht eher eine Fachhochsschulmoment vielleicht noch ein bisschen mehr angewandt denkt...

00:21:53: Okay also die Möchtenkünstler?

00:21:55: Genau dann ist er.

00:21:56: und die andere Frage ist auch arbeiten.

00:21:58: wie viele Leute arbeiten noch mit der Kamera?

00:22:01: Das sind jetzt auch nicht mehr alle, aber radikal geändert hat sich das Hinterfragen der Fotografie als vor allem des dokumentarischen Bezug auf Repräsentationen.

00:22:15: Wer bin ich und was und wen kann ich überhaupt fotografieren?

00:22:19: Wie ist es einzuordnen aus welcher Position fotografiere ich Was oft dazu führt dass Leute vielleicht gar nicht mehr anderen Menschen fotografieren.

00:22:32: Also das sind Fragen von Macht und auch die lange Geschichte der Fotografie als Macht- und Unterdrückungsinstrumenten?

00:22:40: Absolut,

00:22:41: und das ist was glaube ich in meinem Studium deutlich zu kurz gekommen ist muss man sagen.

00:22:49: Ich habe in Großbritannien studiert da haben wir uns theoretisch schon so mit Stuart Hall ein Crisis of Representation und so weiter beschäftigt, aber im Endeffekt haben wir schon weiter relativ ... wurden wir gedrängt relativ unkritisch die Kamera zu benutzen.

00:23:08: Ich hab das... Aber ich habe mich eh nicht so da identifiziert mit, glaube ich mal, mit diesem dokumentarischen Gestus.

00:23:15: Ja, ich glaub' da ist wirklich in den letzten zwanzig, dreißig, ich meine diese Diskussion ging natürlich schon früher los, Martha Roszler

00:23:22: usw.,

00:23:23: es hat sich radikal was geändert.

00:23:27: Das heißt, dass auch diese Identifikation überhaupt mit der Position, mit der Kamera in der Hand zu sein, Fotografin zu sein fällt sehr vielen Leuten schwer.

00:23:38: Fällt mir auch schwerer als früher.

00:23:40: aber ich kann jetzt nicht meinen Studierenden sagen ja macht trotzdem und so.

00:23:44: Ich finde halt wichtig das man diese nicht einfach so sagt es geht nicht mehr ich mache das nicht sondern dass man sich damit auseinandersetzt.

00:23:50: Ja

00:23:50: das würde man auch von einem Studium sich erhoffen dass diese Fragen dann eben bearbeitet werden.

00:23:56: Ja,

00:23:57: und ich glaube ein ganz wichtiger Faktor ist auch das was ich eben gesagt habe den nicht Leuten abzusprechen zu sagen Ich möchte fotografiert werden oder nicht.

00:24:08: Ich kann mir ungefähr vorstellen was damit passiert.

00:24:11: Ich glaube dass dieses krasse Marktgefälle schon bisschen aufgeweicht ist.

00:24:17: Natürlich gibt es viele Bereiche wo das immer noch nicht so ist.

00:24:21: Du hast es glaube ich eben schon angedeutet.

00:24:24: Eine andere Frage, die sich mutmaßlich stellt zwischen dir oder die deine Studierenden stellen ist die danach was ein Bild kann heutzutage.

00:24:36: Wo also kann man einen Bild trauen wo doch tendenziell kein kein Bild mehr zu trauen isst?

00:24:43: Kannst du darüber etwas sagen wie du damit umgehst oder welche Fragen die Studierende haben?

00:24:49: das es vielleicht auch so'n bisschen eine frage die wir uns stellen immer wieder weil wir irgendwie noch Und es erinnern an

00:24:55: die ...

00:24:56: Weil wir uns noch erinneren, dass man Bildern vielleicht noch trauen konnte oder zumindest diese Behauptung irgendwie mal gab.

00:25:03: Also ich denke das von den Studierenden alle so aufgewachsen sind, dass mein Bild dann nicht trauen kann.

00:25:09: Ja also das ist glaube ich gar nicht in dem Sinne so ein großes Thema.

00:25:13: Ich fände's gut wenn man sich eher so fragt Was ist tatsächlich die Verbindung zur Welt?

00:25:18: Die in der Fotografie drin steckt?

00:25:20: wie können wir sie fruchtbar machen Damit arbeiten.

00:25:25: Als eine Alleinstellungsmarktmal der Fotografie, so ... Ich glaub da kommen wir immer wieder an den Proviaten.

00:25:32: jetzt zum Beispiel.

00:25:33: So ne Minerei über Realismen.

00:25:35: Mhm.

00:25:36: Über...

00:25:37: Schon schön, der Plural des Wortes?

00:25:40: Ja genau aber es fing halt an mit Capitalist Realism und dann Reality TV Und das dritte war Realness.

00:25:50: Und in allen drei Es war ja wie so schlaglich, aber in allen drei Ideen oder Genres steckt auch schon so eine Idee davon.

00:26:00: Aber irgendwie wird man dadurch zwangsläufig, kommt man auf die Vergibt es eigentlich dahinter und eine Realität?

00:26:05: Und was ist die Beziehung von diesen ganzen Formen?

00:26:08: darüber erzählen's?

00:26:12: Was vielleicht interessant ist das ich ja noch sozusagen aus einer linken Bewegung stahme wo man eigentlich die Welt auch ein bisschen ideologisch angeguckt hat.

00:26:26: Und ich würde auch sagen, was heute sehr verbreitet ist sozusagen von sich selbst und vom Individuum auszugehen.

00:26:35: Auch im politischen Argumentieren.

00:26:38: Da finde ich es halt toll wenn man davon wieder auf größere Zusammenhänge...

00:26:46: Also um's konkret zu machen, wenn ich das mit dem Verbinde Was du vorher gesagt hast, ich kann nur mich selber fotografieren und kann nur Aussagen über mich und meine Gruppe treffen oder über meine Identität.

00:27:00: Weil das ist gesichert darüber, kann ich ...

00:27:02: Nee, das kann man auf jeden Fall machen!

00:27:05: Die Frage ist halt wie sich das anknüpft an größere Erzählungen zum Beispiel was ich eben gesagt habe mit der Idee der ArbeiterInnenklasse.

00:27:14: Das war für mich irgendwie klar dass die Arbeit, meine frühen Arbeit dazu in Beziehung stehen.

00:27:20: Aber ich war gestern im Gelsenkirchen in der Ausstellung Arbeitskampf und Kunst, wo halt ganz viele Arbeiten noch in diesem Matrix irgendwie zu verorten sind.

00:27:31: Und wir fahren mit der Klasse auch zum Manifesta und habe jetzt gestern überlegt die Ausstellung auch anzugucken.

00:27:37: Wie ist das überhaupt noch zu verstehen heute?

00:27:40: Diese Frage von so klasse Klassenkampf.

00:27:43: Vielleicht ist es auch vorbei.

00:27:44: also vielleicht muss man neue politische Parameter finden, um darüber sprechen zu können wie die Gegenwart ist.

00:27:53: Jetzt haben wir lange über deine fotografischen Arbeiten gesprochen.

00:27:57: in der Natur der Sache von Podcasts liegt es dass wir keine zeigen kann.

00:28:02: wo kann man denn aktuell arbeiten von dir sehen?

00:28:06: Ich habe gerade eine Ausstellung in Hamburg und der Produzenten Kalerie da ist die Arbeit aus Neapel zu sehen also Video und Fotos nachts dieses Gebäude Was ich selber fast vergessen hatte, gerade in Shanghai.

00:28:20: Da ist so eine Wanderausstellung von der IFA die heißt Techno Worlds.

00:28:26: Einige von Tobias Arbeiten sind außerdem aktuell zu sehen in der großen Gruppenausstellung Gifts of Friendship im polnischen Lodge.

00:28:35: In der nächsten Folge hört ihr an dieser Stelle wieder Thomas Köhler Wir hören uns im September wieder.

00:28:40: Dann werde ich die Künstlerin Givili zu Gast haben, die diesjährige Gewinnerin des Gaza-Kunstpreises, die aus diesem Anlass mit einer Ausstellung in der berlinischen Galerie geerrt werden wird.

00:28:52: Bis dahin!

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